Gegen Masern wird zu wenig geimpft

05.10.2010: Im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen, die kürzlich für das Schuljahr 2011/2012 begonnen haben, werden die Impfbücher der Vorschulkinder eingesehen.

Masern
Im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen, die kürzlich für das Schuljahr 2011/2012 begonnen haben, werden die Impfbücher der Vorschulkinder eingesehen. „Bei diesen Untersuchungen zeigte sich in den letzten Jahren, dass die von der Weltgesundheitsorganisation angestrebte Masern-Impfrate auch in den kommenden Jahren sowohl bayernweit als auch im Landkreis Pfaffenhofen wohl nicht erreicht wird“, so Dr. Martina Kudernatsch, Leiterin des Gesundheitsamts Pfaffenhofen.

Bevölkerungsmedizinisch, aber auch individualmedizinisch, wäre es aber sinnvoll, eine Impfrate in der Bevölkerung von mindestens 95% anzustreben. Die Immunität gegenüber dem Krankheitserreger in der Bevölkerung soll so ausgeprägt sein, dass auch nicht-immune Personen, die aufgrund einer anderen Erkrankung nicht geimpft sind, oder noch ungeimpfte Neugeborene nicht erkranken.

In diesem Jahr wurden bis jetzt 119 Masernfälle in Bayern gemeldet. Teilweise waren mehrere Personen in deren Umgebung erkrankt. Auch im Landkreis Pfaffenhofen wurden zwei Masernfälle gemeldet. Um weitere Erkrankungen zu vermeiden, mussten in Schulen und Kindergärten ungeimpfte Kinder der jeweiligen Klasse oder Gruppe für ein bis zwei Wochen dem Schulunterricht oder Kindergarten fern bleiben. Dr. Kudernatsch: „Nur so kann derzeit verhindert werden, dass immunschwache Personen angesteckt werden und sich der Erreger weiter verbreitet.“

„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit“, so Dr. Kudernatsch. Noch vor 100 Jahren starben in Bayern tausende von Menschen pro Jahr an dieser Erkrankung. Mittlerweile sind es Dank der Impfung, der verbesserten medizinischen Versorgung und des deutlich höheren Lebensstandards nur noch ein bis zwei Todesfälle in ganz Deutschland. „Dennoch geht eine Erkrankung gehäuft mit schweren Komplikationen einher“, so Dr. Kudernatsch. Dazu zählen Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen und Gehirnentzündungen. Eine Masernerkrankung kann aber auch noch viele Jahre nach der Infektion zu einer - zwar extrem seltenen, aber möglichen - Spätkomplikation, einer generalisierten Hirnentzündung, führen, die in jedem Fall tödlich verläuft. In den letzten zehn Jahren waren in Deutschland durchschnittlich 4 Todesfälle pro Jahr auf diese Komplikation zurückzuführen. Die Erkrankung verläuft langsam, der Tod tritt dabei erst nach 3 Monaten bis 3 Jahren ein.

Im Landkreis Pfaffenhofen waren im Jahr 2008/2009 85,6% der Vorschulkinder (Bundesdurchschnitt: 84,7 %) bei der Einschulungsuntersuchung gegen Masern geimpft, 2009/2010 konnten nur 83,9% gezählt werden. „Von den angestrebten 95% sind wir noch weit entfernt“, so Heidi Wiedemann, sozialmedizinische Assistentin im Gesundheitsamt Pfaffenhofen. Einbezogen in die Wertung wurden nur Angaben derjenigen Kinder, die einen Impfausweis vorgelegt haben. Studien belegen, dass bei Kindern, bei denen kein Impfausweis vorgelegt wird, die Impfraten noch deutlich schlechter ausfallen.

Regelmäßig werden von den Gesundheitsämtern auch die Impfbücher der 6. Klassen eingesehen, um auf fehlende Impfungen hinzuweisen und den Immunstatus der Kinder nochmals zu ermitteln. Es konnte dabei festgestellt werden, dass 2008/2009 nur 79% der Schüler der 6. Klassen im Landkreis Pfaffenhofen zweimalig gegen Masern geimpft waren. „Die dabei erhobenen Daten der einzelnen Schüler bleiben anonym. Die Zählung erfolgt lediglich über eine Strichliste“, so die Leiterin des Gesundheitsamts. Dennoch hätten viele Eltern Bedenken, die Impfbücher mitzugeben, obwohl derartige Erhebungen von großer Wichtigkeit für die Volksgesundheit sind und auf eventuell vergessene Impfungen hingewiesen werden kann. Dr. Kudernatsch: „Eine Impfpflicht besteht in Deutschland nicht. Wir können immer nur wieder auf die Wichtigkeit der Impfungen hinweisen.“