Bestehende Hecken bewahren

07.10.2010: Alte, gewachsene Hecken sind durch nichts zu ersetzen. Sie stellen all die Strukturen und das vielfältige Nahrungsangebot bereit, die neu angelegte Hecken, auch wenn sie noch so optimal gestaltet werden, zum Teil erst nach Jahrzehnten erreichen.

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Alte, gewachsene Hecken sind durch nichts zu ersetzen. Sie stellen all die Strukturen und das vielfältige Nahrungsangebot bereit, die neu angelegte Hecken, auch wenn sie noch so optimal gestaltet werden, zum Teil erst nach Jahrzehnten erreichen.

Hecken sind Bestandteile unserer Landschaft und nützen dem Menschen und der Natur:

1. Hecken sind Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten
Hecken dienen den Tieren als Nahrungs-, Nist-, Rast- und Zufluchtstätte. Neben den Vögeln, Feldhasen, Igeln, Lurchen und Amphibien sind vor allem Käfer, Bienen und Schmetterlinge in den Hecken anzutreffen.
 

2. Hecken haben einen Nutzen für die Landwirtschaft
Hecken weisen eine Vielzahl nutzbringender Wirkungen für die Landwirtschaft auf.
Hecken bieten einen ausgezeichneten Windschutz
Hecken speichern die Feuchtigkeit
Hecken sorgen für Erosionsschutz
Hecken beherbergen viele Nützlinge und unterstützen so die biologische „Schädlingsbekämpfung“
Hecken bieten Schutz für Weidevieh vor Sonne und Wind


3. Hecken sind Bestandteile der Kulturlandschaft
Hecken spiegeln in ihrem Erscheinungsbild, die unterschiedlichsten Entwicklungen und die jeweilige Nutzung der Kulturlandschaft wider.

- Bereits in der Jungsteinzeit wurden Weiden von Äcker durch Hecken als „lebende Zäune“ getrennt.

- In der „schlechten Zeit“ lieferte die Hecke Holz und Wildfrüchte und war eine wertvolle Bienenweide.

- Im Siedlungsbereich haben die Hecken heute vor allem die Aufgabe das Kleinklima zu verbessern, Staubpartikel aus der Luft zu filtern und als Sicht- und Lärmschutz zu dienen.


Wie pflege ich die Hecke fachlich richtig?
Bei der Heckenpflege sollte auf den Einsatz von Heckenschneidgeräten verzichtet werden. Es führt zu unnatürlichen Wuchsformen der Gehölze. Durch den Schnitt wird ein vermehrtes Wachstum gefördert. Die Sträucher treiben auf Höhe der Kappstelle besenförmig aus. Die Ständeräste können zu einem Verkehrssicherungsproblem werden. Langfristig entsteht ein höherer Pflegeaufwand als bei einem fachgerechten Rückschnitt.

- Hecken in Abständen von acht bis 15 Jahren „auf den Stock setzen“, soweit die Natur schonendste Pflege, die Entnahme von Einzelgehölzen, nicht ausreicht. Dazu werden die ausschlagfähigen Gehölze ungefähr eine Handbreit über den Boden abgeschnitten.

- Hecken nur abschnittsweise pflegen, um in den anderen Bereichen der Hecke eine hohe Vegetationsdichte zu erhalten (Umtriebspflege). Als Faustregel gilt, pro Jahr nicht mehr als ca. 1/5 der Heckenlänge auf den Stock zu setzen.

- Einzelne Bäume und Sträucher als „Überhälter“ stehen lassen.

- Gehölze mit geringem Stockausschlagvermögen lediglich durch behutsame Verjüngungsschnitt pflegen.

- Kleine Hecken durch wiederholte Entnahme von Einzelsträuchern besonders schonend pflegen.

- Baumstümpfe bzw. –stämme und anfallendes Totholz im Einzelfall in der Hecke belassen.

- Krautsäume in der Regel alle 3 bis 5 Jahre mähen und das Mähgut entfernen.

- Hecken nur in der Zeit der Vegetationsruhe (1. Oktober bis 28. Februar) pflegen.


Bewahren und Erhalten der bestehenden Hecken gilt also als oberstes Gebot.
Dies gilt noch mehr für die „kleinen Geschwister“ der Hecke, nämlich für die Feld- und Wiesenraine, Ranken und gehölzfreie Hohlwege. Mancherorts durchziehen sie noch die Landschaft und stellen oft die letzten Rückzugsflächen für Arten dar, die auf Wiesen, Weiden und Äcker längst verschwunden sind. Sie wieder herzustellen, ist noch schwieriger als eine Hecke ökologisch funktionsfähig zu gestalten. Das Verschwinden dieser Raine und Ranken geht sehr schnell vor sich und wird von der Öffentlichkeit kaum bemerkt.

Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz und dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, in der freien Natur Hecken, lebende Zäune, Feldgehölz oder -gebüsche zu roden, abzuschneiden, zu fällen oder auf sonstige Weise zu beeinträchtigen. Ebenso verboten ist das Abbrennen der Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, Hochrainen, ungenutztem Gelände, an Hecken oder Hängen.

Nicht unter das Verbot fällt freilich eine ordnungsgemäße Nutzung, die den Bestand erhält. Dabei ist zu beachten, dass das Holz von Feldgehölzen auf jeden Fall nur plenterweise (Entfernung einzelner Stämme unter Erhaltung des Gehölzes) genutzt werden darf. Im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt wird die Bevölkerung gebeten, die Hecken zu bewahren und zu erhalten, damit wir uns weiterhin an der Vielfalt unserer schönen heimatlichen Landschaft erfreuen können.