Landratsamt informiert: Neuerungen beim energieeffizienten Bauen

19.02.2016: Die Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert seit 1. Januar 2016 energieeffizientere Neubauten, indem strengere energetische Anforderungen gestellt werden.

Erneuerbare Energien
Dies teilte Doris Rottler, zuständig für Energie und Klimaschutz am Landratsamt Pfaffenhofen, kürzlich mit. „Wird ein neues Gebäude geplant und gebaut, muss darauf geachtet werden, dass der zulässige jährliche Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung des Gebäudes um 25 Prozent gegenüber der vorherigen Regelung gesenkt wird“, so die Energieexpertin. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle um ca. 20 Prozent verschärft, so dass insgesamt der von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bezeichnete Effizienzhaus-70-Standard zum geforderten Neubaustandard nach der EnEV wird.
 
Prinzipiell gibt es verschiedene Wege, die erhöhten Anforderungen der EnEV zu erfüllen und die Einsparungen zu erreichen. Bei der Minderung des Primärenergiebedarfs stehen dem Bauherren drei Größen zur Verfügung, an denen er ansetzen kann: die Gebäudehülle mit der Minimierung der Energieverluste, die Art der eingesetzten Energie zur Wärme- und Stromerzeugung und die Anlagentechnik für Heizung und Warmwasserbereitung.

Dazu Brigitte Schlecht, Architektin und unabhängige Energieberaterin von raum_landschaf(f)t architekten aus Göbelsbach: „Die Gebäudehülle mit der längsten Lebensdauer (ca. 80 Jahre) eines Wohnhauses zu optimieren hat anfangs zwar etwas höhere Baukosten zur Folge, reduziert jedoch die laufenden Kosten für die Heizung und ist somit insgesamt die wirtschaftlichere Vorgehensweise.“

Gleiches gelte für die Gebäudetechnik (Lebensdauer ca. 30 Jahre). „Wird jetzt etwas mehr in das System investiert, dadurch der Verbrauch gesenkt und gleichzeitig regenerative Energie genutzt, senkt dies ebenfalls die späteren Betriebskosten. Wird die Gebäudehülle entsprechend optimiert, dieses Niedrigenergiehaus mit regenerativer Energie versorgt, z.B. mit einer Wärmepumpe unter Ausnutzung der Wärme des Grundwassers oder des Erdreichs und einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zur Stromerzeugung, ist der Weg zum Nullenergiehaus oder Plusenergiehaus mit Erzeugung eines Energieüberschusses nicht weit. Letzten Endes muss der Bauherr entscheiden, in welche Richtung er gehen möchte.“

Auch mit Verschärfung der EnEV 2014 bleibe dem Bauherrn also nach wie vor der Entscheidungsspielraum, ob er lieber beim Neubau mehr Geld investiert und im laufenden Betrieb spart oder aber anfangs eher weniger investiert und sich dafür später mit höheren Betriebskosten abfindet. „Der jetzt gesetzlich geforderte Effizienzhaus-70-Standard ist mit relativ wenig Mehraufwand zum alten Effizienzhaus-100-Standard zu erreichen. Empfehlenswert ist aber mindestens der Effizienzhaus-55-Standard“, so Brigitte Schlecht. „Unterstützt wird dies durch die KfW, welche den Kreditbetrag mit vergünstigtem Zins zum 01.04.2016 von 50.000 Euro auf 100.000 Euro je neu erbauter Wohneinheit erhöht. Gleichzeitig erlischt die Fördermöglichkeit eines Effizienzhaus-70-Standards, denn gefördert wird immer nur, wer freiwillig besser als gesetzlich vorgeschrieben baut.“

Ob die neuen Anforderungen der EnEV für das eigene Bauvorhaben zutreffen, entscheidet der Eingangsstempel im Bauamt auf dem Genehmigungsplan. Wurde er noch im alten Jahr eingereicht, gilt die alte Fassung der EnEV 2014, es kann jedoch auf eigenen Wunsch die neue EnEV-Fassung angewandt werden.

Wurde der Bauantrag ab dem 01. Januar 2016 eingereicht, gilt bereits die verschärfte Version. Auch beim energieeffizienten Sanieren gibt es einige Neuerungen. Bestandsgebäude bleiben von einer Verschärfung durch die EnEV ausgenommen, die KfW verbessert jedoch zum 1. April 2016 die Konditionen für Sanierungen im Bereich der Heizungs- und Lüftungstechnik.

Neu ist, dass unter dem Anreizprogramm Energieeffizienz Heizungs- und/ oder Lüftungspaket 15 % der förderfähigen Kosten und maximal 7.500 Euro pro Wohneinheit bezuschusst werden.