Weltwassertag am 22. März

12.03.2019: Das Motto des 27. Weltwassertags am 22. März lautet "Leaving no one behind – water and sanitation for all" – "Niemand zurücklassen - Wasser und Sanitärversorgung für alle".

Weltwassertag
Wasser und Sanitärversorgung für alle? „In Deutschland brauchen wir nur den Wasserhahn aufzudrehen und schon sprudelt sauberes Trinkwasser heraus. Spätestens seit dem heißen, trockenen Sommer 2018 wissen wir jedoch, dass sich die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser - immer und überall - auch in Deutschland, in Zeiten des globalen Wandels, mittelfristig zum Problem entwickeln kann. Wir müssen vernünftig haushalten“, so Landrat Martin Wolf.

Cornelia Teubner vom Gesundheitsamt Pfaffenhofen: „Von den über siebzig Prozent Wasser, das unseren „blauen Planeten“ bedeckt, steht nur ein winziger Bruchteil (ca. 2,5 %) als trinkbares Süßwasser zur Verfügung - und dieses ist weltweit alles andere als ‚gerecht‘ verteilt.

40 % der Weltbevölkerung kennen Wassermangel – und das beim steten Wachstum der Bevölkerung.“ Schon aufgrund klimatischer, saisonaler und geografischer Gegebenheiten steht vielen Menschen kaum bzw. gar kein direkter Trinkwasserzugang zur Verfügung.

Doch auch die politischen Machtverteilungen, Korruption oder Missmanagement im Wasserbereich, verhindern eine gerechte Aufteilung der Lebensgrundlage Wasser. Durch den ständig zunehmenden Wasserbedarf entsteht ein regelrechter Wettkampf zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen wie Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Energieversorgung oder Industrie. Jeder Deutsche braucht im Schnitt pro Tag ca. 120 l Trinkwasser – eine Menge, die noch nicht einmal eine Badewanne füllen würde. Wir benötigen das Wasser zum Kochen, Waschen, Duschen, für die Toilettenspülung usw. Verschwindend gering ist dieser Bedarf gegenüber der Menge an virtuellem Wasser, das wir täglich benötigen.

Laut UNESCO versteht man unter dem Begriff virtuelles Wasser „…die Gesamtmenge an Wasser, die während des gesamten Herstellungsprozesses eines Produktes, Lebensmittels oder einer Dienstleistung verbraucht bzw. verschmutzt wird oder dabei verdunstet - der sogenannte ‚Wasserfußabdruck‘. Dabei wird jeder einzelne Schritt im Herstellungsprozess mit einbezogen.“

Insgesamt kommen wir dabei auf ca. 4000 l Wasser pro Einwohner am Tag in Deutschland, das z.B. für jede Jeans, die wir tragen, jeden Kaffee oder Wein, den wir trinken oder jedes Stück Obst oder Fleisch, das wir essen, benötigt wird. Wenn wir nun überlegen, woher wir all diese Produkte beziehen, werden wir feststellen, dass ein Großteil des Wassers zur Herstellung unserer Güter in den ohnehin wasserarmen Gebieten der Erde verbraucht wird. Immer häufiger befinden sich in diesen meist generell sehr armen Ländern Wasserversorgungsanlagen bis hin zum gesamten Wasservorkommen in den Händen privater Unternehmer. Das Wasser wird dann teuer in Flaschen oder Kanistern verkauft und dient ausschließlich der Gewinnorientierung, statt der Grundversorgung der einheimischen Bevölkerung. Dabei hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2010 das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt. Die Verfügbarkeit von Wasser ist also ein Politikum.

Weltweit kämpfen viele Hilfsorganisationen - wie z.B. die Unicef, Brot für die Welt, Viva con aqua, die Caritas u.v.m. - für eine sozial gerechte Wasserpolitik. Mithilfe humanitärer finanzieller Unterstützung wird u.a. beim Bau von Brunnen, Handpumpen, Auffangbecken, Filteranlagen und Wasserleitungen in robuster, einfach zu wartender Bauweise geholfen, damit die Einwohner ihre Anlagen auch selbst bedienen und vor allem auch instand halten können. Es werden einfache Latrinen und Toiletten gebaut und dabei die wichtigsten Hygieneregeln geschult, um z.B. durch regelmäßiges Händewaschen die oftmals tödlichen Durchfallerkrankungen zu minimieren. Auch die organisierte Müll- und Abwasserentsorgung und die dazu notwendigen Infrastrukturen stehen im Fokus.

Cornelia Teubner: „In deutschen Haushalten wird meist auf den sparsamen Umgang mit Wasser geachtet, jedoch ist Deutschland auch eines der führenden Konsum- und Importländer der Welt. Laut Bundesverband für Paket- und Expresslogistik verschicken Deutsche allein über 3,35 Mrd. Kurier-, Express- und Paketsendungen pro Tag.“ Nicht selten werden Waren, die bei Nichtgefallen wieder zurückgehen, aus Kostengründen danach einfach entsorgt und lieber neu produziert, statt sie dem Handel wieder zur Verfügung zu stellen. Es wird erwartet, dass jedes Produkt, zu jeder Zeit, in mehr als ausreichender Menge zur Verfügung steht. Auch bei den Lebensmitteln orientieren wir uns viel zu selten an saisonalen und regionalen Produkten, sondern verlangen nach der großen bunten Vielfalt, deren Erzeugung, Import bis hin zum Verbraucher neben Energie eben auch viel Wasser verschlingt, das den Menschen im Exportland zum Leben - oft Überleben - fehlt. "Niemand zurücklassen - Wasser und Sanitärversorgung für alle".

Jeder, vor allem diejenigen, denen Wasser und die finanziellen Mittel ausreichend zur Verfügung stehen, können etwas dafür tun:

  • In Deutschland ist die Trinkwasserqualität gut. Warum also kein Leitungswasser trinken? Und wenn es schon Flaschenwasser sein muss, dann zumindest regional bzw. ohne lange Transportwege.
  • Lebensmittel wie Rindfleisch, Schokolade, Kaffee, Avocados usw. führen die Liste der Lebensmittel an, die das meiste virtuelle Wasser verbrauchen. Der massive Anstieg des Fleischkonsums führt zudem zu Intensivtierhaltung, die nicht selten importiertes Kraftfutter benötigt. Um ca. 1 kg Rindfleisch zu produzieren, werden neben fast 50 kg Getreide und Rohfutter, gut 150 l Wasser benötigt. Zusätzlich kommen noch mehrere 10.000 l Wasser für die Futterherstellung dazu. Die Verschmutzung des Wassers beim Versickern von Dünger und Mist ist dabei noch nicht einmal mit eingerechnet.
  • Die Bekleidungsindustrie ist seit Jahren in der Kritik. Neben den schlechten Arbeitsbedingungen und dem Einsatz giftiger Chemikalien (z.B. zum Bleichen) - die letztlich auch im Wasser landen - ist u.a. auch der wasserintensive Anbau von Baumwolle bedenklich.
  • Im Urlaub gehen wir oft verschwenderischer mit Wasser um, als wir dies normalerweise Zuhause tun würden. Sei es bei den Handtüchern, die im Hotel für das tägliche Waschen auf dem Badezimmerboden landen, oder der übermäßige Konsum am All-you-can-eat-Buffet, von dem die Hälfte auf den Tellern liegen bleibt, um dann als Abfall entsorgt zu werden.
  • Bei übertriebener Sparsamkeit bzw. falschem Nutzerverhalten im Haushalt kann das Wasser in den Leitungen stagnieren, was wiederum die Qualität verschlechtert und zu Legionellenproblemen im Leitungsnetz führen kann. Dennoch kann man durch Duschen statt einem Vollbad deutlich Wasser sparen und das Wassernetz trotzdem ausreichend spülen.

„Wir können also allein durch bewusstes Konsumverhalten Verantwortung übernehmen und einen wertvollen Beitrag leisten“, so Teubner. An dieser Stelle sei auf ein afrikanisches Sprichwort verwiesen, das auch in der Informationsbroschüre „Virtuelles Wasser – Verstecktes Wasser auf Reisen“ des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz nachzulesen ist: „Wenn viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern“.

Die Bereitstellung von Trinkwasser ist in Deutschland kommunale Pflichtaufgabe und selbst wenn die Wasserpreise hin und wieder steigen, ist es aufgrund der guten Einkommen und sozialen Sicherungssysteme so gut wie unmöglich, dass irgendjemand hierzulande seinen Zugang zu sauberem Trinkwasser verliert. Ein Stück weit hat jeder Einzelne von uns die Möglichkeit, in vielen kleinen Schritten, an vielen kleinen Orten, etwas zu verändern.