Lieber in den Wald als ins Heim

23.11.2018: Das so genannte „Waldprojekt – Die Macher“ besichtigten Landrat Martin Wolf und die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Pfaffenhofen a.d.Ilm im Rahmen ihrer letzten Sitzung.

Landrat Martin Wolf (li.), Abteilungsleiter Michael Reile (2. v. li.), Projektleiterin Frau Raß von ambuflex (3. v. li.), Geschäftsführerin von ambuflex Frau Berntssen (4. v. re.) und Leiterin des Jugendamts Elke Dürr (re.)
Bei dieser Jugendhilfemaßnahme werden Kinder und Jugendliche, die wegen verschiedener Schwierigkeiten, zum Beispiel in der Schule, oder im Elternhaus mit Ihrem Umfeld nicht zurechtkommen, intensiv betreut. Das Sachgebiet Familie, Jugend, Bildung des Landratsamts hat damit die Firma „ambuflex“ beauftragt. Es handelt sich dabei um einen freien Träger der Jugendhilfe, der in den Bereichen Kinder –, Jugend – und Eingliederungshilfe für junge Menschen mit seelischer Behinderung tätig ist.

Landrat Martin Wolf und die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses waren voll des Lobes über das Konzept, in dessen Rahmen derzeit vier Jugendliche betreut werden und das bayernweit bisher einmalig ist. Martin Wolf: „Ich bin beeindruckt, wie hier die Jugendhilfe stark fokussiert auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen durchgeführt wird“. Die Besucher des Waldprojekts ließen sich die Abläufe und örtlichen Einrichtungen von den Jugendlichen und dem pädagogischen Fachpersonal erklären. Mit einer Mischung aus praktischer Lebenserfahrung, Strukturierung des Alltags, Vermittlung von sozialen Kompetenzen und Schulunterricht werden die jungen Menschen ein Stück weit begleitet und auf die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben vorbereitet. „Das Projekt bietet oft ratlosen und überforderten Familien eine Alternative, um eventuell die Unterbringung von Sohn oder Tochter in einem Heim zu vermeiden“, so Elke Dürr, die Leiterin des Sachgebiets Familie, Jugendamt, Bildung. Dabei steht bei der Arbeit des Betreuungsteams stets der am Kind orientierte Hilfebedarf im Mittelpunkt. Das Projekt kostet den Landkreis Pfaffenhofen jährlich rund 160.000 € für durchschnittlich vier Kinder, die dort von 8 bis 16 Uhr geschult werden. Das Geld sei jedoch gut angelegt, betonte Landrat Martin Wolf, noch dazu, wenn man bedenkt, dass eine Heimunterbringung wesentlich kostenintensiver ist. Ferner dürfe bei der Hilfe für junge Menschen der finanzielle Aspekt nicht an oberster Stelle stehen. Wolf: „Wichtig ist, dass die Hilfe etwas bewirkt und die Kinder und Jugendlichen Kompetenzen erlernen und wieder in das tägliche Leben integriert werden können“.

Ferner genehmigte der Jugendhilfeausschuss bei seiner Sitzung die kostenanteilige Förderung der mobilen Jugendarbeit im Bereich der Donaufeldsiedlung Manching in Höhe von rund 30.000 Euro jährlich. Dieses Projekt wurde bisher durch das Diakonische Werk und den freien Träger „ambuflex“ begleitet und wird künftig vom Markt Manching ausgeführt.

Eine weitere finanzielle Förderung erfährt die Psychosoziale Beratungs – und Behandlungsstelle „Prop e.V.“, für Angebote der Suchtprävention an Schulen. Hierfür wurde ein jährlicher Zuschuss von rund 4000 € einstimmig von den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses befürwortet.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Förderung der Johanniter–Unfallhilfe, die die Kindertagespflege im Landkreis Pfaffenhofen koordiniert. Hier wurden finanzielle Mittel explizit für die Akquise und Schulung von Tagespflegepersonen in Höhe von 6000 € genehmigt. Diskutiert und entschieden wurden während der Sitzung auch die Finanzierung von Kurzzeit – und Ferienbuchungen bei der Tagespflege. Ziel war es, eine familienfreundliche Handhabung zu erreichen. Die Mehrkosten für den Landkreis belaufen sich auf rund 5000 €. 

Genehmigt wurde ferner einen Antrag der Caritas, die Erziehungsberatung im Landkreis Pfaffenhofen weiter auszubauen und die so genannte „aufsuchende Beratungsarbeit“ durch qualifiziertes Fachpersonal einzuführen. Der Leiter der Erziehungs- und Elternberatungsstelle, Markus Kotulla erläuterte den Vorteil dieser Art von Beratungstätigkeit, außerhalb der Beratungsstelle in Pfaffenhofen dezentral in einigen Landkreisgemeinden Gespräche mit Eltern und Kindern möglich sind. Das Angebot wird dadurch „niederschwelliger“ zugänglich und die Wege werden kürzer. Wie Landrat Martin Wolf weiter ausführte, sei es wünschenswert, aber derzeit aus personellen Gründen noch nicht durchführbar, die Beratungsgespräche in jeder Landkreis Gemeinde anzubieten. Es sei jedoch „ein Schritt in die richtige Richtung zu einem flächendeckenden Angebot “.