Handicap? – Na und!

31.03.2017: Das Erste von Drei KUS-Unternehmerfrühstücken startete mit einer hohen Teilnehmerzahl und einem Best Practice Beispiel, welches das Herz berührt.

Handicap? – Na und! Zahlreiche Teilnehmer durfte KUS-Vorstand Johannes Hofner beim ersten Unternehmerfrühstück im Hopfenmuseum Wolnzach begrüßen

„Haben Sie sich eigentlich schon einmal Gedanken gemacht jemanden einzustellen, der zwar ein Handicap, dafür aber viele andere besondere Talente hat?“

Diese Frage wurde den über 60 Unternehmerinnen und Unternehmern beim ersten KUS-Unternehmerfrühstück am Mittwoch, 29. März 2017 im Hopfenmuseum Wolnzach gestellt. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmer-Netzwerk Inklusion widmete sich die Netzwerkveranstaltung dem Thema „Inklusion – kein Talent darf verloren gehen“.

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Laut der neuesten IHK-Erhebung beläuft sich der durch die Fachkräfte bedingte volkswirtschaftliche Verlust in Bayern auf 17 Milliarden Euro. „Ich bin überzeugt, dass es die eine große Lösung für den Fachkräftemangel nicht gibt. Vielmehr werden wir in der Region verschiedene kleine Maßnahmen ergreifen müssen, die in Summe ebenfalls ihre Wirkung zeigen“, begründet KUS-Vorstand Johannes Hofner vom Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm (KUS) die Thematik der Veranstaltung.

In Menschen mit Behinderung stecke häufig ein enormes Potenzial an besonderen Fähigkeiten und Fachwissen, ist Hofner überzeugt. Daniela Zeiler vom Unternehmens-Netzwerk Inklusion und Referentin des Vormittages unterstreicht diese These: „Die meisten gehen bei dem Wort Behinderung sofort immer vom Schlimmsten aus. Bei 90 % der Menschen mit Behinderung ist diese jedoch überhaupt nicht ersichtlich und die Arbeitsleistung wird gar nicht oder kaum beeinträchtigt“, so die Beraterin in Ihrem Vortrag.

Zeiler informierte die Anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend über kostenfreie Beratungsangebote, Fördermöglichkeiten, Zuschüsse und Hilfeleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen. „Egal ob Sie jemanden einstellen möchten, oder ein langjähriger Mitarbeiter durch Krankheit oder Unfall in diese Situation gerät. Es gibt vielfältige Lösungen und Unterstützungen“, ermuntert Zeiler, die kostenlosen Beratungsangebote im Landkreis anzunehmen.

Wie Inklusion vorbildlich ins Unternehmen eingegliedert werden kann, ergänzte das Best Practice Beispiel: Petra Amenda von der Alfred Amenda & Sohn Transport GmbH aus Hohenwart schilderte ihre Erfahrungen, einen jungen Menschen mit Inklusionshintergrund einzustellen. Über die Regens-Wagner-Stiftung erhielt sie den Praktikanten Andreas, der ebenfalls beim KUS-Unternehmerfrühstück anwesend war und sich offen in den Vortrag einbrachte. Durch einen unverschuldeten Unfall im Jahr 2007 hat der damals 16-jährige schwerste Kopfverletzungen erlitten. „Nach einem monatelangen Kampf erwachte Andreas wieder aus dem Koma, musste jedoch sämtliche Grundlagen wie gehen, essen und reden neu lernen. Nach vielen Operationen, Krankenhausaufenthalten und Rehas begann Andreas seine Ausbildung in der Regens-Wagner Schule Hohenwart, über die er 2009 auch zu einem Praktikum in unserem Unternehmen gekommen ist“, so Amenda.

Seit 2012 arbeitet der mittlerweile 26-jährige Andreas nun in dem Transportunternehmen. „Ich bin sehr froh dort eine Anstellung gefunden zu haben. Mir gefällt es sehr gut und ich möchte nicht mehr weg“, berichtet Andreas. Herausforderungen und Konflikte, die es durchaus gegeben habe, seien gemeinsam mit dem Betrieb und Bezugspersonen angesprochen und Lösungen gefunden worden. „Er hat bei uns seine Umwelt komplett neu entdeckt. Andreas ist offen und sehr kontaktfreudig. Er wird von allen Kollegen sehr gemocht. Auch seine geistige und körperliche Leistung verbessert sich stetig“, erzählt Amenda.

„Ich bin der Meinung, dass wir es unserer Gesellschaft schuldig sind, sich mit dem Thema Inklusion zu befassen und jemanden mit Behinderung eine Chance auf Arbeit zu geben“, resümiert Amenda und sagt ganz deutlich: „Wir sind überglücklich mit unserem Andreas“. Auch, wenn es bedeute, Zeit zu investieren und sich mit der Person intensiv beschäftigen zu müssen.

„Man braucht Mut, aber es lohnt sich. Man bekommt von diesen Menschen mehr zurück, als man ihnen eigentlich geben kann“, beendete Amenda unter tosendem Applaus der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren persönlichen Bericht.

Den Gedanken freien Lauf lassen und Kontakte knüpfen konnten die Unternehmerinnen und Unternehmer direkt im Anschluss beim gemeinsamen Get-Together am Frühstücksbuffet. „Das Thema Inklusion wurde sehr gut aufgenommen.

Es entstanden viele Fragen und es herrscht reges Interesse an den Beratungsangeboten des Unternehmens-Netzwerkes Inklusion“, berichtet Hofner. Auch das positive Beispiel der Firma Amenda habe viel Eindruck hinterlassen und das „Herz berührt“. „Andreas ist der Star des Tages und war beim anschließenden Netzwerken der Unternehmer voll integriert“, freut sich Hofner über die Veranstaltung.

Den Kontakt für das kostenfreie Beratungsangebot des Unternehmens-Netzwerkes Inklusion vermittelt das KUS Landkreis Pfaffenhofen (Ansprechpartnerin Nadja Freigang, nadja.freigang@kus-pfaffenhofen.de, T 08441 40074-46).

Handicap? – Na und! Zahlreiche Teilnehmer durfte KUS-Vorstand Johannes Hofner beim ersten Unternehmerfrühstück im Hopfenmuseum Wolnzach begrüßen

Inklusion erleben – Petra Amenda mit ihrem Mitarbeiter Andreas,
der nach einem schweren Unfall inklusionsbedürftig ist,
berichten über ihre Erfahrungen