Ehrenamtskongress im Landratsamt: MITEINANDER reden als zentrales Thema

03.04.2019: Bei aller Hektik verlieren wir allmählich das Gefühl dafür, was MITEINANDER reden heißt.

Ehrenamtskongress März 2019
„Unsere Gesellschaft krankt an einer Art Sprachlosigkeit. Wir reden ständig. Tauschen uns aus. Nutzen das Web und schreiben SMS. Wir sehen die Folgen direkt vor unserer Haustüre. Eine vermeintliche Kränkung - und schon verlassen Mitglieder den Verein. Eine unbedachte Bemerkung und schon schwelt ein Streit, der sich immer tiefer hinein frisst in das Verhältnis der Menschen zueinander“, so Landrat Martin Wolf bei der Eröffnung des 7. Ehrenamtskongresses. Insgesamt rund 110 Vorstände, Vorsitzende und Mitglieder von Vereinen und ehrenamtlichen Gruppierungen waren der Einladung des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement am Landratsamt Pfaffenhofen (KOBE) gefolgt und in den neuen Sitzungssaal des Landratsamtes gekommen.

Martin Wolf: „Alle reden ständig - aber nur wenige kommunizieren mit all den Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen. Dabei ist das MITEINANDER reden die einzige Möglichkeit, zu großen beständigen Lösungen zu finden. Im Gespräch reibt man sich aneinander und lernt den Anderen und dessen Standpunkte zu verstehen. Und wenn man wirklich will, dann lernt man auch, sich durchzusetzen und Ärger nicht zu vermehren, sondern zu vermindern.“ Dabei heiße führen nicht befehlen oder managen, sondern im Gespräch zu leiten und zu lenken.

In einer „Fishbowl“, einer etwas anderen Fortbildungsart, ist es den beiden Referentinnen, Gisela Goblirsch, systemische Beraterin, Coach und Ausbilderin aus München sowie Kathrin Leppla, Unternehmensberaterin und Großgruppenmoderatorin aus Wien gelungen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hierfür zu sensibilisieren und mit zahlreichen Tipps für die Praxis auszustatten. Wertschätzung, Entscheidung, Verhandlung und Konflikt waren die vier großen Themenschwerpunkte, die gemeinsam definiert wurden, die in Beispielen aus dem Alltag eines Vereinsvorsitzenden beleuchtet und für die Lösungen gesucht und für die Praxis ausgearbeitet wurden. Dabei wurde dem Thema „Wertschätzung“ die größte Aufmerksamkeit und die meiste Zeit gewidmet, weil sie das gemeinsame Leben und Arbeiten angenehm erleichtert. Aber auch der Bereich „Konflikte“ kam nicht zu kurz. Es wurden Methoden des Verstehens sowie Bewusstseins-Prozesse aufgezeigt, die den Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit helfen sollen. Schwierige Entscheidungsprozesse, zu denen es in der Vereinsarbeit immer wieder kommt, sollen so besser und einvernehmlicher gelöst werden.

Uschi Schlosser, Leiterin des KOBE und Organisatorin der Veranstaltung hat den Versuch gewagt, diese neue Form einer Fortbildung für den Ehrenamtskongress anzubieten. Und die Tatsache, dass sich die Ehrenamtlichen dieser neuen Form des Austausches gegenüber sehr offen gezeigt, sich sofort daran beteiligt haben und mit vollem Eifer dabei gewesen sind, gaben ihr Recht. „Gemeinsam wurden praxistaugliche Lösungen und Ansätze für die ehrenamtliche Arbeit in den verschiedensten Bereichen gefunden. Gerade Gehörtes wurde im Rahmen der Fortbildung sofort geübt und umgesetzt. Wer wollte, konnte sogar nach dem Mittagsimbiss unter der Anleitung der beiden erstklassigen Referentinnen weiter üben und sich noch tiefer in die Materie einarbeiten,“ so Uschi Schlosser.

Der Ehrenamtskongress erwies sich auch heuer wieder als hervorragende Plattform für den Austausch von Informationen und Erfahrungen. Martin Wolf: „Dass wieder so viele Interessierte am Kongress teilgenommen haben, hat uns sehr gefreut und bestärkt uns in unserer Arbeit.“