Radfahren im Landkreis Pfaffenhofen - Landkreis und Bayerische Staatsregierung arbeiten Hand in Hand

17.09.2018: Denkt man an die bayerische Wirtschaft, ist das Fahrrad sicherlich nicht das Erste, was einem in den Sinn kommt.

Doch die Bedeutung des Fahrrades wird nicht nur in der Wertschöpfungskette viel zu oft unterbewertet. Schätzungen zufolge liegt der gesamte Wirtschaftsfaktor des Velos nämlich bei ungefähr 1,7 Milliarden Euro und sorgt damit für die Sicherung von 25.000 Arbeitsplätzen in Bayern.
Auf Einladung des Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm (KUS) trafen sich am vergangenen Freitag Landrat Martin Wolf, der landkreiseigene Tiefbau, das Staatliche Bauamt Ingolstadt sowie MdL Karl Straub im neuen Sitzungssaal des Landratsamtes und informierten zum Thema „Radfahren im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm“.

Die Förderung des Fahrradverkehrs hat nicht nur wirtschaftliche Vorteile. Neben dem Spaß und den sozialen Komponenten kann die Nutzung in Verbindung mit einem gesunden Lebensstil das Krankheitsrisiko um bis zu 60 Prozent senken, besagen aktuelle Studien. „Rund 2000 Euro Gesundheitskosten können bei 45-minütigem Strampeln pro Woche eingespart werden“, beeindruckte Landrat Martin Wolf mit Fachwissen. Die Initiative des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr mit dem „Radwegeprogramm 2015-2019“ unterstützt den nachträglichen Anbau von Radwegen an Staats- und Bundesstraßen mit rund 200 Millionen Euro.

Von den insgesamt 303 bayerischen Projekten entfallen acht Bauvorhaben auf den Landkreis Pfaffenhofen. Dies liegt deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt von rund 4,2 Förderungen. Die Kriterien für die Aufnahme in das Programm orientieren sich unter anderem an der täglichen Verkehrsbelastung sowie der Verkehrssicherheit. Eine Fortschreibung des Radwegeprogrammes über die aktuelle Förderperiode hinaus bis 2025 wurde bereits beschlossen. „Bis dahin sollen neben einem flächendeckenden Radverkehrsnetz auch zahlreiche Radschnellwege und ausreichend Abstellanlagen geschaffen sein“, erläutert MdL Karl Straub.

Das ehrgeizige Ziel der Steigerung des Radverkehrsanteiles, gemessen am Gesamtverkehrsaufkommen, auf 20 Prozent, soll unter anderem durch gezielte Verkehrserziehung von Kindern und Jugendlichen sowie die Unterstützung von Organisationen und Aktionen, die sich für die Förderung des Radverkehrs einsetzen, erreicht werden.

Doch wer entscheidet überhaupt, wo ein Radweg gebaut wird? Böse Zungen behaupten, Bund, Land oder Kommune wählen, unabhängig vom Nutzen für die Bevölkerung, den leichtesten Weg. Dass dem nicht so ist, zeigte Bauoberrat und Abteilungsleiter des Staatlichen Bauamtes Arne Schönbrodt in seinem Impulsvortrag sehr anschaulich. Angefangen von der Analyse des Bestandsnetzes über die Anmeldung der Maßnahmen bis hin zur finalen Verkehrsfreigabe fehlte kein Vorhaben im Ablaufplan. Beim Thema Grunderwerb kann bereits ein einzelner Grundstückseigentümer ausreichen, um ein gesamtes Vorhaben scheitern zulassen.

Arthur Kraus, Sachgebietsleiter des Kreiseigenen Tiefbaus, demonstrierte die derzeitigen Bauvorhaben. Neben wichtigen Anschlüssen an die Nachbarlandkreise wie Dachau oder Freising stehen auch Netzlücken ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Den Vorteil des Fahrrades sieht Kraus nicht nur im, verglichen mit Kraftfahrzeugen, geringeren Platzbedarf, sondern auch als reizvolle Alternative zu fehlenden Bahn- oder Busverbindungen in ländlichen Regionen. Solch ein Angebot sei für die Nutzer nur attraktiv, wenn die vorhandene Infrastruktur genügend Sicherheit gewährleiste. „Neben Wasser, Abwasser, Energie und Kommunikation zählt auch die kleinzellige verkehrliche Erschließung durch Radwege zu den Aufgaben der Daseinsvorsorge, der wir uns verstärkt widmen müssen!“, beendete Kraus seine Ausführungen.

KUS-Vorstand Johannes Hofner stellte abschließend das LEADER-geförderte Projekt „Radoffensive“ vor. Die bereits abgeschlossene Bestandsaufnahme beschäftigte sich mit der Wegebeschaffenheit, der Sicherheit und Breite sowie der Erlebnisqualität von rund 500 Kilometern bestehender Radstrecken im Landkreis. Derzeit erarbeite das zuständige Planungsbüro noch die abschließenden Handlungsempfehlungen für die Kommunen.

Unterstützt wurde das Projekt mit einem Fotowettbewerb, einer öffentlichen Befahrung und dem Online-Portal Pedalplauderer. Lob und Kritik können Bürger und Gäste weiterhin unter www.pedalplauderer.de kundtun. Man bereite aktuell bereits ein Folgeprojekt vor, welches die Bereiche Radfahren und Wandern kombiniere, so heißt es aus dem KUS. Neben der Planung der Schilderinhalte, sollen auch die Schilderproduktion und die abschließende Installation erfolgen. Kern dabei sei ein landkreisweit einheitlich und vollständig beschildertes Rad- und Wanderwegenetz. „Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit allen 19 Gemeinden und Verbänden wie dem ADFC zusammen, um eine optimale Lösung und größtmöglichen Mehrwert für Erholungssuchende als auch Fahrradpendler zu erzielen“, so Hofner.

Am 20. September entscheide der Lenkungsausschuss der Lokalen Aktionsgruppe Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm, ob das Projekt in die LEADER-Förderung aufgenommen werden kann. „Einer alleine kann wenig bewegen“, weiß Landrat Wolf und begrüßt die enge Zusammenarbeit von Kreiseigenem Tiefbau, Staatlichem Bauamt und der Wirtschaftsförderung. Der regelmäßige Austausch solle auch künftig zum Wohle des Bürgers und des Gastes im Landkreis stattfinden, so Wolf weiter.