Unternehmerforum des Landkreises Pfaffenhofen a.d.ILm mit über 200 Teilnehmern: Familienfreundlichkeit im Unternehmen als Thema

25.10.2013: Auf große Resonanz bei Unternehmen und Verbänden stieß das Unternehmerforum des Landkreises Pfaffenhofen im Oktober 2013. In der Anton-

Unternehmerforum 2013 _ Haderthauser
Auf große Resonanz bei Unternehmen und Verbänden stieß das Unternehmerforum des Landkreises Pfaffenhofen im Oktober 2013. In der Anton-Wolf-Halle der Stadt Geisenfeld interessierten sich über 200 Persönlichkeiten, darunter zahlreiche Firmenchefs und leitende Angestellte, Politiker und Verbandsvertreter, für die Veranstaltung des Landkreises. Der Vormittag stand unter dem Motto "Als familienaktives Unternehmen die Zukunft gewinnen?" und wurde in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat des Landkreises sowie der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft angeboten. Das Impulsreferat hielt Christine Haderthauer, bis vor kurzem Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen und nun Staatsministerin für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben sowie Leiterin der Bayerischen Staatskanzlei.

Haderthauer stellte heraus, dass mittlerweile Standortentscheidungen nicht mehr nur von Unternehmen getroffen werden, sondern auch von den Arbeitnehmern, den vielumworbenen Fachkräften. Deshalb werde "Familienfreundlichkeit für Unternehmen überlebens- und zukunftsnotwendig", stellte die Ministerin klar. Mit der "Generation Y" – also jungen Menschen, zumeist sehr gut ausgebildet und technologieaffin - habe sich ein Wandel in der Arbeitswelt vollzogen, der von anderen Ansprüchen an das Leben geprägt sei, als das vielleicht noch bei der Elterngeneration der Fall gewesen sei. Die "Generation Y" sei zwar sehr einsatzfreudig, wolle aber nicht bis zur Rente warten, sondern im Jetzt ihre Lebensvorstellungen verwirklichen: Familienleben, Sabbatical, Flexibilität.

"Familienfreundlichkeit ist kein Spartenthema mehr", sagte die Ministerin. Und man könne es sich auch nicht mehr leisten, so Haderthauer, bei der Arbeitskraft vorwiegend auf ein Geschlecht zurückzugreifen. "Die Herausforderung besteht nun darin, auch diejenigen abzuholen, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, um sich um ihre Familie zu kümmern".

Eine spätere Wiedereingliederung in die Arbeitswelt müsse besser ermöglicht werden, bekräftigte Haderthauer, die hierbei insbesondere auf die Frauen abzielte. Deutschland leiste sich dabei bislang die größte Ressourcenverschwendung. Dazu gebe es das Vorurteil, dass Familienverantwortung "einen irgendwie ein bisschen verdummen lässt". Das Gegenteil sei jedoch der Fall: "Nirgends lernt man Managementqualitäten besser - das wissen alle, die an der Alltagsfront in der Familie unterwegs sind".

Unternehmensforum Okt 2013 1

Wirtschaftliches Tun müsse in der Gesellschaft insgesamt akzeptiert werden und dazu brauche es eine "soziale Balance". Die Gesellschaft müsse das Gefühl haben können, „da gewinnen nicht nur die starken, da gewinnen wir alle".
 
Bernd Huber, Vorsitzender im Wirtschaftsbeirat des Landkreises Pfaffenhofen, zeichnete das Bild eines prosperierenden Kreises. "Unser Landkreis gehört zu den wirtschafts- und produktionsstärksten Regionen in der Bundesrepublik", so Huber. Neben der strategisch günstigen geographischen Lage liege das auch an der vielseitigen Unternehmenslandschaft, bestehend aus einem Mix an Handwerksbetrieben, mittelständischen, hochinnovativen familien- und inhabergeführten Firmen und international agierenden Großunternehmen. Um diese Wirtschaftsstärke würden viele andere Wirtschaftsräume den Landkreis Pfaffenhofen beneiden. Die Menschen kämen hierher mit der Hoffnung auf wirtschaftliche Chancen und bekommen diese dann auch. Die Unternehmen der Region investierten in Bildung und übernähmen soziale Verantwortung. "Wir sind ein pulsierender Wirtschaftsstandort", fasste Huber zusammen.
 
In einer Unternehmerrunde, moderiert von Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt, stellten Firmenverantwortliche ihr Unternehmen vor und diskutierten mit dem Publikum zum Thema des Forums. Christian stellte zunächst einfach zu realisierende Möglichkeiten für Unternehmen vor, um attraktiv für Arbeitnehmer mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen zu sein. Unter anderem führte sie Jobsharing, flexible Arbeitszeiten, klare Vertretungsregelungen und Arbeit von zu Hause aus an. Hans-Christoph Oelker von Cassidian setzt im größeren Stil auf Heimarbeit. Mitarbeiter können außerdem bis zu einem Jahr ihre Arbeit unterbrechen. Von "Oma-Tagen" berichtete Michaela Schenk, Inhaberin der Firma Mawa. Großmütter im Unternehmen könnten sich dadurch auch tagsüber um ihre Enkel kümmern.


Unternehmensforum - Haderthauer_okt13        Unternehmerforum Okt 2013


Für das Handwerk sei eine familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung eher problematisch, führte Bauunternehmer Max Hechinger am Beispiel seiner Firma aus. Gleichwohl nannte auch er Beispiele, wie die Arbeitnehmerfamilie mit dem Unternehmen verbunden sein kann. Erich Deml von der Wolf-Anlagentechnik unterstützt seine Mitarbeiter mit Sonderurlauben oder auch der Möglichkeit, vom Heimarbeitsplatz aus zu arbeiten. Katharina Linner von der gleichnamigen Werkzeugfabrik setzt auf einen unkomplizierten und unbürokratischen Umgang mit ihrem Personal, während Detlef Fuchs von der Hipp-Unternehmensgruppe die Kommunikation als Schlüssel für Familienfreundlichkeit sieht.

Albert Schmid als Abteilungsleiter für Soziales und allgemeine Rechtsfragen am Landratsamt Pfaffenhofen stellte den "familienaktiven Landkreis" vor. Dieser stehe auf den Säulen des Bündnisses für Familie, dem Programm „Bildungsregion Bayern“ und einem seniorenpolitischen Gesamtkonzept. Schmid erläuterte dazu die Einzelheiten und wies auf künftige Handlungsfelder hin.

Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf fasste den inhaltsstarken Vormittag zusammen: Es gebe heute nicht mehr nur Standortentscheidungen der Unternehmer sondern auch der Arbeitnehmer. "Bei Familienaufgaben, besonders im Bereich der Kindererziehung und Pflege, haben wir die moralische Pflicht Betroffene zu unterstützen, damit sie die Aufgabe auch in Eigenregie gestalten können", betonte Wolf. Von daher erwüchsen Aufträge an Politik, Ehrenamt aber auch Unternehmen. Zu schaffen sei dies letztlich "alles nur miteinander."