Weihe der Kräuterbüschel zu Mariä Himmelfahrt

10.08.2018: Zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15.08. werden nach altem Brauch Kräuter gesammelt, als Kräuterbüschel gebunden und von den Gläubigen zur Weihe in die Kirche getragen.

Foto: Hans Fetsch, Gartenbauverein Scheyern
Diesem Brauch nehmen sich auch viele Gartenbauvereine im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm an. In verschiedenen Vorführungen zeigen Fachkundige, worauf es beim Kräuterbüschelbinden ankommt und aus welchen Pflanzenarten er sich zusammensetzt. „Traditionsgemäß sollen die Kräuterbüschel lebensnotwendige und heilkräftige Pflanzen wie Brotgetreide, Heil- und Gewürzpflanzen enthalten“, erläutert Andreas Kastner, Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege am Landratsamt Pfaffenhofen.

Den Mittelpunkt bildet in der Regel die Königskerze, auch Wetterkerze oder Muttergotteskerze genannt. In einigen Gegenden werden anstatt der Königskerze oder zur Ergänzung auch Rosen oder Lilien verwendet. Hinzugeordnet werden der Rohrkolben, der Rainfarn oder das Muttergotteskraut sowie auch das Johanniskraut. Als Heil- oder Gewürzpflanzen finden weiter Verwendung: Alant, Arnika, Frauenmantel, Baldrian, Dost, Ringelblume, Melisse, Wegwarte, Holunder, Schafgarbe, Kamille, Salbei, Lavendel, Thymian, Minze, Liebstöckel, Bibernelle und viele mehr. Nicht fehlen sollten die Hauptgetreidearten Hafer, Gerste, Weizen und Roggen.

Einen farbigen Akzent setzen beim Kräuterbuschen Gartenblumen wie die Malve oder die Glockenblume. Andreas Kastner: „Nach altem Volksglauben steht der geweihte Kräuterbuschen in hohem Ansehen. Man misst ihm außerordentliche Heil- und Wirkkräfte bei. In bäuerlichen Anwesen werden die geweihten Kräuter nach dem Trocknen gut aufbewahrt. Sie kommen in den Herrgottswinkel, aber auch über Türen, unters Dach und in den Stall.“

Früher warf man bei heranziehenden Gewittern oder drohendem Unwetter einige der geweihten Kräuter in das offene Feuer, um es abzuwenden. Zum Schutz vor Krankheiten im Stall mischte man einige Kräuter dem Viehfutter bei. Wenn ein Familienmitglied erkrankte, zupfte man vom entsprechenden Heilkraut und fügte es einem Tee bei.

„Die Kräuterweihe hat eine lange Tradition. Aus der Literatur ist zu entnehmen, dass sie sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen lässt“, so der Kreisfachberater. Der Brauch einer Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt dürfte entstanden sein, um heidnische Bräuche abzuwehren bzw. zu verchristlichen. Aus dieser Zeit findet sich in einem römisch-deutschen Pontifikalbuch bereits ein Segensgebet über die Kraft der Heilkräuter.

Auch wenn nicht jeder einen Kräuterbüschel binden kann oder sich der Tradition verbunden fühlt, haben die Pflanzen einen hohen Stellenwert in Küche und Medizin. In fast jedem Garten gibt es Platz für die eigenen Kräuter und Heilpflanzen. Auch wenn nur ein Balkon vorhanden ist, lassen sich viele Pflanzen im Topf kultivieren. Vor allem frische Kräuter haben einen fantastischen Geschmack und bereichern jedes Gericht. Liebstöckel, auch als Maggikraut bekannt, kann für Suppen oder deftige Speisen verwendet werden. Aus Minze kann ganz einfach ein wohlschmeckender Tee aufgegossen werden. Thymian, Salbei, Oregano oder Basilikum als neueres Kraut, sind allseits sehr beliebte Gewürze, die saisonal, teilweise sogar mehrjährig zu kultivieren sind.