Vortragsreihe Lebenswelten im Wandel Dritter Beitrag Afghanen in der alten und neuen Heimat

03.12.2019: Über das Thema Afghanistan - politische und soziale Lage referierte kürzlich Wissenschaftlerin Angela Parvanta im Großen Sitzungssaal des Landratsamts.

Foto: Georgiev
Das Sachgebiet Integration am Landratsamt organisierte die Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe Lebenswelten im Wandel. Flucht, also das Verlassen der vertrauten Umgebung, der Heimat, gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die man als Mensch machen kann. Die Gründe sind dabei sehr vielfältig und werden oft von Nichtbetroffenen abgelehnt. Aber nicht nur Krieg, Katastrophen oder Hungersnöte führen zum Verlassen der Heimat, sondern auch Arbeits- oder Perspektivlosigkeit.

Die Wissenschaftlerin der Ludwig-Maximilians-Universität München Angela Parvanta zeigte in ihrem Vortrag auf, dass für ihre alte Heimat leider alles zutrifft. „Auch die Veränderungen der geopolitischen Lage sowie die Intensivierung regionaler Konflikte haben in den letzten Jahren Prozesse in Gang gesetzt oder verstärkt, die keinen Erdteil unberührt gelassen haben. In Europa, in Deutschland und auch im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm haben wir die Eruptionen dieser Ereignisse gespürt, indem eine Vielzahl von Menschen zu uns gekommen ist und die wir verantwortungsvoll aufgenommen haben“, so Landrat Martin Wolf.

Angela Parvanta konnte nicht nur die Geschichte des krisengebeutelten Landes im Herzen Asiens erleuchten, sondern zeigte deutlich, was es bedeutet, Afghane oder Afghanin zu sein. Ebenso schilderte sie, wie sich diese Selbstwahrnehmung in den Zeiten zwischen Königreich, Republik und Terrorregime veränderte und die vielen Geflohenen geprägt hat, die in Deutschland Zuflucht gesucht haben.

Dabei wurde klar, dass 2015 nicht die erste Einwanderungswelle von Afghanen nach Deutschland stattfand. „Schon zu Beginn der sowjetischen Invasion und auch beim Sturz des Talibanregimes kamen viele Afghanen nach Deutschland, die sich schnell zu einer der bestintegriertesten Zuwanderungsgruppen entwickelten“, so die Referentin. Im Landkreis Pfaffenhofen gibt es viele Menschen aus Afghanistan, die in den letzten Jahren ihre Heimat verlassen haben. Hierbei handelt es sich vorrangig um junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren, also Menschen, die optimal für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt geeignet wären.

„Oftmals gibt es Hürden des deutschen Rechts, wie ein langwieriges Asylverfahren oder die letztendliche Ablehnung eines Aufenthaltstitels und dem damit verbundenen Entzug der Arbeitsberechtigung von Ausreisepflichtigen“, so die Integrationsbeauftragte des Landkreises Galina Römmert-Rühle.
Angela Parvanta fand aber auch einen Hoffnungsschimmer für ihre kriegsgeschüttelte Heimat: „Afghanistan ist sehr reich an Bodenschätzen. Wenn es gelingen würde, das Land zu stabilisieren, dann könnte sich Afghanistan eine neue Zukunft mit steigendem Wohlstand erarbeiten.“

Zum Abschluss konnte die Wissenschaftlerin das interessierte Publikum zu einer ausgiebigen Diskussion mitreißen, in welcher deutlich wurde, dass die Afghanen auch in Deutschland für die Zukunft ihrer alten Heimat Afghanistan arbeiten und stets dem Kern der afghanischen Gesellschaft, der Familie, auch in der Ferne äußerst eng verbunden bleiben.

Das Sachgebiet Integration schließt die Vortragsreihe im neuen Jahr mit dem Vortrag Psychologische Phasen der Flucht am Donnerstag, 23. Januar mit Melisa Budimlic (Refugio München e.V.). Die Veranstaltung findet um 19:00 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes Pfaffenhofen statt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Integration des Landratsamts stehen bei Fragen in den Bereichen Asyl, Zuwanderung und allgemein Integration allen Bürgerinnen und Bürgern gerne zur Verfügung: Tel. 08441 27 2961 oder E-Mail integration@landratsamt-paf.de.