Wiesenbrüter im Landkreis - Bruterfolg 2019 recht erfreulich

29.10.2019: Seit Juli 2018 ist im Landkreis Pfaffenhofen Jana Jokisch als Gebietsbetreuerin für Wiesenbrüter tätig.

Ein Kiebitz-Weibchen stellt sich schützend über seine Jungen. Foto: Verena Rupprecht
Sie ist dafür zuständig, den Schutz der sensiblen Arten, wie z.B. Großer Brachvogel und Kiebitz, zu verbessern und deren Bruterfolg zu erhöhen. Dafür kartiert Jana Jokisch für die gesamte Brutzeit von Anfang März bis Mitte Juli den Bestand der Wiesenbrüter und notiert sich, wo die Tiere nach Nahrung suchen, wo sie ihre Bodennester bebrüten sowie ob und wie viele Jungtiere schlüpfen bzw. überleben. Dabei helfen ihr ehrenamtliche Wiesenbrüter-Schützer, denn die Gebiete im Landkreis Pfaffenhofen liegen weit auseinander und es gibt viel zu tun.

„Wir müssen genau zum richtigen Zeitpunkt die Nester der Kiebitze ausstecken, damit sie bei der Bodenbearbeitung des Ackers aufgrund ihrer guten Tarnung nicht überfahren werden“, so Jana Jokisch. Auch die Zäunung der Brachvogelnester muss genau dann erfolgen, wenn das Brachvogelweibchen fertig mit dem Gelege sind. Zu früh darf man dabei auf keinen Fall stören, sonst ist der Bruttrieb der Elterntiere noch nicht groß genug und sie verlassen ihr Nest. Deswegen muss jeden Tag jemand vor Ort sein, um die Brachvogelnester rechtzeitig einzuzäunen und mit den Landwirten die Bewirtschaftung abzusprechen.

„Die Saison 2019 verlief für das erste Betreuungsjahr schon recht erfreulich. Die Gebietsbetreuerstelle musste erst einmal aufgebaut und Kontakte mit den Landwirten, Jägern und anderen Interessensgruppen der jeweiligen Gebiete geknüpft werden“, so Anita Engelniederhammer, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Im Landkreis Pfaffenhofen haben dieses Jahr 17 Brachvogelpaare versucht zu brüten. Einige mussten aufgrund von Fressfeinden oder zu großen Störungen schon früh ihre Gelege aufgeben.

„Dieses Jahr sind fünf junge Brachvögel flügge geworden“, so Jokisch. Im Vergleich mit anderen bayerischen Wiesenbrütergebieten sei das keine schlechte Zahl. „Aber wenn man bedenkt, dass 17 Paare des Brachvogels eigentlich bis zu 68 Eier legen könnten (maximal 4 Eier pro Brutpaar), sieht man, dass noch ein sehr großes Potential besteht, den Bruterfolg zu erhöhen.“

Dafür müsse sich aber einiges ändern und für den Brachvogel und andere Wiesenbrüter in unserer Landschaft wieder Platz geschaffen werden. Jana Jokisch: „Wir sollten froh sein, dass der Brachvogel noch so verlässlich zu uns kommt. Damit er sich aber auch erfolgreich fortpflanzen kann, müssen wir sofort handeln und seine Habitate wiederherstellen, sonst ist er aus unserer Landschaft bald verschwunden.“ Dafür müssen genügend extensiv bewirtschaftete, feuchte Wiesen vorhanden sein, die störungsarm und mit wenigen Gehölzen durchzogen sind. Nur so hat der Brachvogel einen optimalen Überblick über sein Brutgebiet.
Beim Kiebitz sieht es ähnlich aus. Hier ist zwar der Bruterfolg noch etwas höher, aber man kann beobachten, wie sich die Koloniebrüter in die letzten guten Gebiete im Landkreis zurückziehen. Aus vielen früheren Kiebitz-Flächen ist er bereits verschwunden.

Für den Erhalt der Wiesenbrüter zählt die Gebietsbetreuerin auf die Hilfe der Landwirte und anderer Interessensgruppen, aber vor allem auf die Rücksicht jedes einzelnen Bewohners im Landkreis. Indem man sich in der sensiblen Brutzeit an das Anleingebot von Hunden hält und Wiesenflächen nicht betritt, kann jeder seinen Teil zum Wiesenbrüterschutz beitragen. Die Wiederherstellung und optimale Pflege der Wiesenbrüter-Habitate kann nur mit den Landwirten gemeinsam funktionieren.

„Im Paartal in der Gemeinde Hohenwart und im Irschinger Moos klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Hier haben bestimmte Landwirte selbst ein Auge auf die sensiblen Tiere“, so Jokisch. Nicht selten bekommt sie wichtige Informationen direkt von Flächenbewirtschaftern, denen Brachvogel und Kiebitz am Herzen liegen. Nicht zufällig sind auch genau in diesen beiden Gebieten die Brachvogel-Jungen flügge geworden und mit ihren Eltern Richtung Süden geflogen.

 

 Jana Jokisch, Gebietsbetreuerin für Wiesenbrüter

Jokisch: „Es wäre toll, wenn derartige Erfolge auch in anderen Wiesenbrüter-Gebieten verwirklicht werden könnten. Die Landwirte im Paartal und Irschinger Moos gehen auf jeden Fall mit gutem Beispiel voran.“ Die Gebietsbetreuerin freut sich immer über Zuwachs zu ihrem Team aus Wiesenbrüter-Schützern, die ihr in der Brutsaison im Feld helfen. Bei Interesse kann man sich bei ihr melden unter Tel. 08441 27-3181 oder E-Mail jana.jokisch@landratsamt-paf.de






Zwei der vier Brachvogel-Küken von dieser Saison aus dem Paartal auf Nahrungssuche. Foto: Jokisch

Zwei der vier Brachvogel-Küken von dieser Saison aus dem
Paartal auf Nahrungssuche. Foto: Jokisch