Überblick

Vor vielen Millionen Jahren füllte ein gewaltiger Meeresarm, der sich von Südfrankreich bis Ungarn erstreckte, den Raum zwischen den Alpen und den Höhenzügen der Frankenalb. Während der Rißeiszeit (300.000 bis 120.000 v. Chr.) und der Würmeiszeit (100.000 bis 8.000 v. Chr.) schufen die vordringenden Gletscher der Alpen und deren Schmelzwasserfluten das typische tertiäre Hügelland mit sanften Höhen und Tälern, das dem südlichen Landkreis Pfaffenhofen seinen reizvollen Charakter gibt. Während in diesen von Sümpfen und dichtem Urwald bedeckten Landstrich zunächst noch keine Menschen vordringen konnten, hausten in den Höhlen nördlich der Donau schon in der jüngeren Altsteinzeit (etwa ab 15.000 v. Chr.) Jäger und Sammler. Die ersten Spuren menschlichen Lebens im Gebiet des heutigen Landkreises Pfaffenhofen stammen aus den nördlich der Donau gelegenen Landkreisteilen.

So wurden u.a. bei Menning und Dünzing Stein-Werkzeugreste aus der mittleren und jüngeren Altsteinzeit (8.000 bis 3.500 v. Chr.) gefunden. Das Gebiet unmittelbar südlich der Donau wurde erst in der Zeit der Schnurkeramik und Glockenbecherkultur (2.500 bis 2.000 v. Chr.) besiedelt. Und erst ab der frühen Bronzezeit (2.000 v. Chr.) können Siedlungsspuren auch im tertiären Hügelland nachgewiesen werden, so z. B. eine Höhensiedlung bei Eberstetten, östlich der Kreisstadt Pfaffenhofen, die von Archäologen vor etwa zehn Jahren ausgegraben wurde. Aus der mittleren Bronzezeit (1.500 v. Chr.) sind im Landkreis Pfaffenhofen noch zahlreiche Bodendenkmäler erhalten geblieben, die bedeutendsten sind die 185 Hügelgräber im Waldgebiet zwischen Niederlauterbach und Geisenfeld.


Von Kelten und Römern

Keltentor

Manchinger Keltentor (markiert den Eingang zum Archäologischen Wanderweg).  

Etwa um das Jahr 1.000 v. Chr. wurde die Bronze- von der Eisenzeit abgelöst.
In dieser Epoche beginnt auch der Aufbau der großen keltischen Kultur. Die Kelten, auch Gallier genannt, hatten seit dem fünften vorchristlichen Jahrhundert ihre Zivilisation vom Atlantik bis zu den Karpaten ausgedehnt. Sie blieben allerdings aufgespalten in rivalisierende Stämme, die sich nie zu einer größeren Gemeinschaft zusammenschlossen. An der Mündung der Paar in die Donau, in der Nähe des heutigen Marktes Manching, siedelten sich seit etwa 450 v. Chr. Kelten vom Stamme der Vindeliker an und erbauten dort ihre Gauhauptstadt.  

Sie umgaben sie mit einem vier bis fünf Meter hohen Ringwall, der fast acht Kilometer lang war und eine Fläche von 380 Hektar umschloß. Teile des Ringwalles sind heute noch in der Nähe des Flugplatzes in der Landschaft deutlich zu erkennen. Keltische Keramik, Waffen und Schmuckgegenstände wurden bei mehreren Ausgrabungen gefunden und befinden sich heute zum Teil im Manchinger kelten römer museum. Die Blüte der Keltenhauptstadt Manching endete etwa um 50 v. Chr. Zerbrochene Waffen und die Gebeine offenbar gewaltsam ums Leben gekommener Kelten deuten auf eine kriegerische Auseinandersetzung hin. Die Forscher gehen heute davon aus, daß das Oppidum nicht bei Kämpfen mit den Römern, sondern durch einfallende Germanenhorden oder innerkeltische Konflikte zerstört wurde.

Während die große Keltenstadt verödete, stießen etwa um 15 v. Chr. die Römer bis an die Donau vor. Zur Überwachung ihrer neuen Nordgrenze errichteten sie um 40 n. Chr. etwa drei Kilometer westlich der zerstörten Keltenstadt im Süden des heutigen Ortes Oberstimm ein Kastell, das vermutlich bis 80 n. Chr. mit bis zu 450 Fußsoldaten und Reitern belegt war. Bei Ausgrabungen legten die Archäologen im Sommer 1994 einen sensationellen Fund frei: die Reste von zwei Römerschiffen, die hier vor 2000 Jahren vor Anker gelegen hatten. Für die Archäologen war der Fund der endgültige Nachweis, daß das Kastell eine Hafenanlage am kleinen Fluß Brautlach besaß und die Römer damit eine strategisch wichtige Schiffahrtsverbindung zur Donau hatten. Auch nachdem das Kastell Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts seine militärische Bedeutung verloren hatte, wurde das Gebiet um Manching und Oberstimm noch von Römern besiedelt. Reste einer römischen Villa konnten die Archäologen im Unterfeld bei Oberstimm ausgraben. Eine römische Besiedelung des südlichen Hügellandes hat nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler nicht stattgefunden. Allerdings dürften Römerstraßen an den Unterläufen von Ilm und Paar existiert haben. Das Ende der römischen Herrschaft südlich der Donau datieren die Historiker kurz nach dem Jahr 400.

Etwa um die Mitte des 5. Jahrhunderts begann dann wiederum im Gebiet um die Donau eine nachrömische Ortsgründungswelle, worauf heute noch die Ortsnamen mit der Endung -ing hinweisen (z. B. Manching, Menning, Dünzing, Irsching). Aus der Analyse der Ortsnamen und den bisherigen archäologischen Funden schließen die Historiker, dass das Hügelland im südlichen Teil des Landkreises erst ab der Mitte des 7. Jahrhunderts besiedelt wurde. Damit einher ging die Christianisierung unserer Heimat.´

 

Erste Klostergründungen

Kloster Geisenfeld

Kloster Geisenfeld nach einem Kupferstich aus dem Jahr 1701

Die erste klösterliche Ansiedlung kolumbanischer Mönche soll in Engelbrechtsmünster bei Geisenfeld schon um das Jahr 600 bestanden haben. Historisch nachweisbar sind aber erst die Klostergründungen in Ilmmünster (nach dem Kirchengeschichtler Bauerreis um 762), Münchsmünster (gegründet um 770, im Jahre 1814 abgebrochen), Geisenfeld (nach dem historischen Atlas Bayern im Jahr 1037), Hohenwart (1074) und Scheyern (1119).  

Eine starke politische Stellung hatte in der Zeit des frühen Mittelalters Vohburg, das vermutlich schon im 8. Jahrhundert als Grenzposten der Agilolfinger gegen das fränkische Königshaus errichtet wurde. 

 

Scheyern - Stammsitz des Hauses Wittelsbach

Turm Kloster Scheyern

Durch die Klostergründungen gewann auch der Süden des Landkreises kulturell und politisch an Bedeutung und Einfluss. Eine herausragende Stellung hatte dabei Scheyern, eine der historisch bedeutsamsten Stätten Altbayerns. Hier stand die Wiege des Fürstenhauses der Wittelsbacher, das über sieben Jahrhunderte (von 1180 bis 1918) Bayern beherrschte.  

Erster urkundlich gesicherter Ahnherrr des Wittelsbacher Fürstengeschlechtes ist ein Graf Otto von Scheyern (1045 - 1078), der aus dem Geschlecht der Skiren stammte. Er war verheiratet mit Gräfin Haziga, die durch großzügige Schenkungen bereits um das Jahr 1070 den Aufbau benediktinischer Niederlassungen bei Bayerischzell bzw Fischbachau unterstützt hatte.

Nachdem Hazigas Enkelsohn, der Scheyerer Graf Otto V. (als Otto I. Herzog von Bayern), mit seiner Familie den einstigen Stammsitz Scheyern verlassen hatte (um 1116 nennt er sich erstmals "von Wittelsbach") schenkte er im Jahre 1119 den Mönchen die Burg.

Mit dem Aufstieg der Wittelsbacher auf den bayerischen Herrscherthron, den sie über 700 Jahre besetzten, begann auch die Blütezeit der Städte und Märkte. Wolnzach erhielt angeblich schon um 1150 als erster Ort im Gebiet des heutigen Landkreises Pfaffenhofen das Marktrecht verliehen. Gut 40 Jahre später unter Herzog Ludwig dem Kelheimer ist Pfaffenhofen erstmals als Markt genannt (1197). Es entwickelte sich schnell zu einem lokalen Herrschaftszentrum und Landgerichtssitz der Wittelsbacher in der Region an der Ilm. In den neuen Märkten, zu denen auch Vohburg, Reichertshofen und Hohenwart gehörten, blühten Handel und Gewerbe auf , ringsum breiteten sich Ackerbau und Viehzucht aus. In einigen Gegenden - alte Flurnamen deuten noch darauf hin - versuchte man sich auch im Weinanbau. Vor allem in den Klöstern regte sich vielfältiges kulturelles Leben. 
Die bayerischen Erbfolgekriege im 15. Jahrhundert, der 30jährige Krieg (von 1618 bis 1648), die großen Pestepidemien im 17. Jahrhundert und die Auswirkungen der französischen Revolution (1789) brachten in den folgenden Jahrhunderten viel Leid, Not und Elend über die Menschen im heutigen Landkreisgebiet.

Der allmählich in Gang gekommene Demokratisierungsprozess führte unter König Ludwig I. und Graf Montgelas zu einer Neuorganisation der staatlichen Verwaltung. Die Bildung der Distriktsgemeinden als kommunale Gebietskörperschaften mit überörtlichen Aufgaben (z. B. Straßenbau und Feuerlöschwesen) im Jahre 1852 kann als Geburtsstunde der heutigen Landkreise angesehen werden. 1862 übernahmen die neugeschaffenen königlichen Bezirksämter (heute vergleichbar mit den Landratsämtern) die reinen Verwaltungsaufgaben, während die Landgerichte nur noch für die Rechtspflege zuständig waren.

 

Modernisierung und Industrialisierung

 Bahnhof Pfaffenhofen vor der Jahrhundertwende

Die Modernisierung der staatlichen Verwaltung lief parallel mit der beginnenden Industrialisierung im Gebiet an Donau, Ilm und Paar. Ein Meilenstein in der Entwicklung war der Bau der Bahnlinie von München nach Ingolstadt in den Jahren 1864 bis 1867.

Die Donaulinie Ingolstadt - Regensburg über Vohburg und Münchsmünster folgte 1873/74, der Bau der Hallertauer Lokalbahn Rohrbach - Wolnzach - Mainburg in den Jahren 1893 - 95. Kurz vor der Jahrhundertwende begann auch der Ausbau der Stromversorgung im Gebiet des heutigen Landkreises. Die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung des vorher rein landwirtschaftlichen Landstrichs waren damit geschaffen. 

Auch die beiden Weltkriege, die im Landkreis nur relativ geringe materielle Schäden anrichteten, aber großes menschliches Leid in den Familien Tausender von Gefallenen und Vermissten hinterließen, konnten die Aufwärtsentwicklung des Landkreises nicht zum Stillstand bringen.
Mit der neuen Landkreisordnung vom 18. Februar 1946 wurden Verwaltung und politische Vertretung der bayerischen Kommunen neu geregelt. Seit 1952 wird der Landrat direkt von den Bürgern gewählt.

Einen entscheidenen Einschnitt in der Geschichte der bayerischen Landkreise bedeutete die 1972 abgeschlossene Gebietsreform. Von den ehemals 143 bayerischen Landkreisen und 48 kreisfreien Städten blieben nach der Reform des damaligen Innenministers Bruno Merk noch 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte übrig.

Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm ging nach den Auseinandersetzungen gestärkt aus der Reform hervor. Aus dem aufgelösten Landkreis Ingolstadt kamen rund 16.000 Einwohner (in erster Linie aus Reichertshofen, Baar-Ebenhausen und Manching) zu Pfaffenhofen, aus dem Landkreis Schrobenhausen die Gemeinden Gerolsbach und Hohenwart mit rund 5.600 Bürgern, aus dem Landkreis Mainburg 380 Bürger. Die Einwohnerzahl des Landkreises erhöhte sich durch die Gebietsreform von 58.000 auf rund 81.000. Parallel mit der Landkreisreform lief seit dem Jahre 1970 die Gebietsreform, in deren Verlauf sich die Zahl der Gemeinden im Landkreis Pfaffenhofen von ursprünglich 78 (Stand 1964 im Altlandkreis) auf jetzt 19 reduzierte.