Via Videokonferenz: 9. Runder Tisch zu PFC Belastungen am Flugplatz Ingolstadt/Manching

21. Juni 2021 : Zentrale Themen des neunten Runden Tisches zu PFC-Belastungen am Flugplatz Ingolstadt/Manching war der Stand der PFC Sanierung sowie der Ausblick, wie es mit der Sanierung weitergeht.

Hierzu begrüßte Landrat Albert Gürtner per Videokonferenz Vertreter*innen des Bundesministeriums der Verteidigung, der Bundeswehr, des Freistaats Bayern, des Landkreises Pfaffenhofen a.d.IIm und weiterer Fachbehörden.

Zunächst informierte das Kompetenzzentrum Baumanagement München des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (BAIUDBw) die Teilnehmer über den Endbericht zum Erntegut-Monitoring 2020 und die Ergebnisse des Grundwasser- und Oberflächengewässer-Monitoring sowie der erstmaligen Beprobung von Brunnen in der Ortschaft Knodorf im Mai 2021. Der Endbericht zum Erntegutmonitoring wurde im März 2021 an das Landratsamt (LRA) übergeben. Bei elf von 152 Proben wurde für mindestens einen der 13 PFC-Parameter eine geringfügige Überschreitung der Bestimmungsgrenze festgestellt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beurteilte den Verzehr der Lebensmittel mit positiven Nachweisen an PFC in üblicher Menge, in gesundheitlicher Hinsicht als unproblematisch. Das Erntegut-Monitoring wird auf Empfehlung des LGL in reduziertem Umfang für ein Jahr fortgeführt. „Die Beauftragung für 2021 an das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften ist bereits erfolgt“, so Thomas Backes vom BAIUDBw.

Der Endbericht des Fischmonitorings für das Jahr 2020 vom 25. Mai 2021 wurde dem (LGL) am 26. Mai 2021 mit der Bitte um Bewertung vorgelegt.

Das LGL hält aufgrund der vorgefundenen Ergebnisse in seiner Stellungnahme vom 16. Juni 2021 an der Empfehlung vom vergangenen Jahr fest und rät weiterhin davon ab, Fische aus Gewässern im Abstrom des Flugplatzes Manching zu verzehren.

Betroffen sind 13 der insgesamt 16 beprobten Gewässer. Bei den Übrigen handelt es sich um Referenzgewässer, die nicht im Einflussbereich des Flugplatzes liegen.

Aus jedem Gewässer wurden jeweils 3 Fische entnommen, insgesamt also 48 Proben auf 22 verschiedene per-/polyfluorierte Chemikalien hin untersucht.

PFC-Belastungen oberhalb der Bestimmungsgrenzen wurden bei 15 von 22 untersuchten per- und polyfluorierten Chemikalien festgestellt. Geringe, mittelgradige, hohe und sehr hohe Belastungen in Fischen wurden bei acht Messwerten festgestellt. Eine sehr hohe Gesamtbelastung wies lediglich ein einzelner Fisch auf.

Maßgebliche PFC-Konzentrationen lagen ausschließlich in den dreizehn vom Flugplatz beeinflussten Gewässern vor. Der Gehalt, bei dem nach aktuellem Stand auch bei kurzfristigem Verzehr negative gesundheitliche Wirkungen nicht mehr mit der zu fordernden Sicherheit ausgeschlossen werden können, ist nur noch bei Fischen aus einem Gewässer überschritten. Bei Fischen aus 9 weiteren Gewässern rät das LGL wegen der nicht auszuschließenden negativen gesundheitlichen Wirkungen bei regelmäßigem länger anhaltenden Verzehr ebenfalls vom Verzehr ab. Eine akute Gefährdung durch den einmaligen Verzehr von belasteten Fisch ist jedoch nicht gegeben. Für Fische aus drei weiteren Weihern ergeht eine eingeschränkte Verzehrempfehlung.

Ebenfalls ist eine akute gesundheitliche Gefährdung bei den gemessenen Werten bei einem moderaten Konsum ausgeschlossen. Dennoch sollte auch in diesen Fällen ein regelmäßiger Verzehr über einen längeren Zeitraum hinweg vermieden werden.

Diese Empfehlung wird vorerst bis auf Weiteres aufrechterhalten.

Ein erneutes Fischmonitoring ist fachlich erst wieder angezeigt, wenn die Gehalte an PFC in den betroffenen Gewässern dauerhaft gesenkt werden konnten. Die zuständigen Behörden bleiben diesbezüglich im engen Austausch. Die Eigentümer und Fischereiberechtigten werden über die individuellen Ergebnisse zeitnah gesondert informiert.  

Landrat Gürtner bedankte sich bei der Bundeswehr für das beauftragte Monitoring und die Fortführung des Monitorings. „An dieser Stelle ist es wichtig, dran zu bleiben und weitere Analysedaten für die Zukunft und zum Schutz der Bevölkerung zu gewinnen“, so Gürtner. 

Für die Sanierung PFC-kontaminierter Flächen auf dem Flugplatz wird derzeit eine Variantenuntersuchung durchgeführt. Das beauftragte Projektbüro hat die 15 Einzelflächen nach einer ersten Bewertung in sieben Untersuchungsbereiche zusammengefasst. Ergebnisse werden voraussichtlich im April 2022 vorliegen. 

„Die Untersuchungen zur vorgezogenen Pump-and-Treat Maßnahme an der „Alten Feuerwache“ wurden erfolgreich abgeschlossen“, führte Backes fort und ergänzte, „dass die weiteren Planungen nun auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen vorgenommen werden“.

Durch die umfangreichen Untersuchungen an der Pilotanlage mit einem Förderbrunnen konnten Modelle und Annahmen zur Hydrogeologie bestätigt werden, teilweise wurden aber auch neue Erkenntnisse hinzugewonnen. Diese sind Grundvoraussetzung für den effektiven Aufbau und Betrieb einer wirksamen Abstromsicherung. „Der hohe zeitliche und finanzielle Aufwand war und ist gerechtfertigt, ohne diese neuen Erkenntnisse insbesondere zu den Eigenschaften des Grundwasserleiters wäre die Umsetzung einer wirksamen Sanierungsmaßnahme nicht möglich“, betonte Backes in seinem Vortrag.

Die Bundeswehr wird das finale Gutachten zur Pump-and-Treat Maßnahme, dass die Handlungs- und Planungsgrundlage für die weiteren fachlichen Abstimmungen mit dem LRA und Fachbehörden darstellt, im August 2021 an das Landratsamt Pfaffenhofen übersenden. Landrat Gürtner sicherte eine zügige Auswertung der Daten zu, damit die Bundeswehr als zuständige Stelle Ende des 4. Quartals 2021 den Planungsauftrag für die Sanierungsanlage an die Bayerische Bauverwaltung erteilen kann.

Im Nachgang zum Runden Tisch informierte Landrat Albert Gürtner die Bürgerinitiative in einer Videokonferenz über die Ergebnisse und die weitere Vorgehensweise. Zusätzlich ist eine Informationsveranstaltung geplant, die im 4. Quartal 2021 stattfinden soll. „Ich will mit der Bürgerinitiative den bewährten engen Austausch fortführen, um die betroffenen Bürgerinnen und Bürger bestmöglich in das Verfahren miteinzubeziehen. Dabei ist mir auch das persönliche Gespräch vor Ort sehr wichtig“, so der Landrat.