Der Zeckenhärtetest, ein neues Mitmach-Projekt und ein möglicher Impfstoff – Die Zeckensaison 2026

23. April 2026: Mit den steigenden Temperaturen beginnt wieder die Hochsaison für Zecken. Die Spinnentiere werden bereits ab etwa 5 °C aktiv – selbst Minusgrade überstehen sie problemlos.

Den Zecken geht es nur um eines: eine Blutmahlzeit. Dabei können sie sowohl die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) als auch die Lyme-Borreliose übertragen. FSME ist eine durch Viren ausgelöste Erkrankung, bei der Lyme-Borreliose sind Bakterien die Übeltäter.

In Deutschland tritt die Borreliose rund 200-mal häufiger auf als die FSME. Im Landkreis Pfaffenhofen wurden in den vergangenen Jahren drei FSME-Fälle im Jahr 2023, ein Fall 2024 und keiner im Jahr 2025 gemeldet. Dagegen waren es 2025 25 Borreliose-Fälle. „Die Zahlen zu den offiziellen FSME-Fällen täuschen aber, denn gemeldet werden meist nur schwere Verläufe, die zu einem Krankenhausaufenthalt oder sogar zum Tod führen“, so Dr. Claudia Kramer vom Gesundheitsamt Pfaffenhofen. Die Dunkelziffer milder Fälle sei deutlich höher.

FSME

Etwas sieben bis 14 Tage nach einem Zeckenstich können unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und leichte Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Viele haken dies als leichte Sommergrippe ab. Bei etwa 90 % der Betroffenen klingen die Beschwerden folgenlos ab. Bei Personen über 60 Jahren ist das Risiko eines schweren Verlaufs allerdings deutlich erhöht. Nach etwa acht beschwerdefreien Tagen kann es zu Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark kommen, die bleibende Schäden wie Lähmungen, Epilepsie oder chronische Kopfschmerzen hinterlassen können. Dr. Kramer: „Eine spezifische Behandlung für FSME gibt es nicht. Etwa ein Prozent der Fälle mit Hirnhaut- oder Hirnentzündung verlaufen tödlich. Umso wichtiger ist die wirksame FSME-Impfung.

Der Klimawandel spielt den lästigen Blutsaugern in die Karten: Seit Jahren wird eine Ausbreitung der wärmeliebenden Insekten von Süden Richtung Norden beobachtet. Mittlerweile zählen bundesweit 185 Kreise zu den FSME-Risikogebieten.

Borreliose

Gegen Lyme-Borreliose existiert derzeit noch keine Impfung. Ein vielversprechender Impfstoffkandidat befindet sich jedoch in der Testphase und könnte frühestens Ende 2027 zugelassen werden.

Typisch für eine Borreliose ist die ringförmige Wanderröte, die Tage bis Wochen nach dem Stich auftreten kann – allerdings nicht immer an der Einstichstelle und manchmal gar nicht. Begleitend können grippeähnliche Symptome auftreten. Ohne antibiotische Behandlung drohen Gelenkentzündungen, Hautveränderungen oder neurologische Beschwerden bis hin zu chronischen Verläufen.

Was tun, wenn sich ein Spinnentier festgebissen hat?

Zecken sollten sofort und vollständig entfernt werden – ohne Drehung, ohne Quetschen. Hierzu gibt es in Apotheken und Drogerien ein breites Sortiment an Werkzeug. Ob mit Zeckenkarte oder mit einer speziellen Pinzette - zum Entfernen die Zecke nahe der Haut fassen und langsam ohne Drehen anheben. Die Haut sollte sich dabei wie ein kleines Zelt auffalten, bevor die Zecke dann aus der Haut gelöst wird. Bewegen sich die Beinchen noch, wurde der Kopf definitiv mitentfernt. Ein schwarzer Punkt in der Haut ist meist nur der Stechrüssel und fällt später von selbst ab. Die Stelle danach desinfizieren.

Keinesfalls sollte man die Zecke vor dem Entfernen mit Öl, Nagellack, Klebstoff, Alkohol oder Ähnlichem versuchen abzutöten. Dies erhöht das Risiko einer Erregerübertragung, die die Tiere im Todeskampf noch schneller ausscheiden können. Wer unsicher ist, wendet sich am besten an seinen Hausarzt.

Wohin mit der entfernten Zecke?

Zeckenforscher haben den „Zeckenhärtetest“ durchgeführt: Am wirksamsten ist das Zerdrücken mit einem festen Gegenstand, wie einem Glas. Hierfür sollen die Zecken vorher in ein gefaltetes Papier gelegt werden. Dann wird das Glas mit Druck über das Papier gezogen. Auch 40 % Alkohol, Chlorreiniger oder Sagrotan töten Zecken zuverlässig ab. Wenig erfolgreich sind das Zerquetschen mit dem Fingernagel, das Zertreten mit dem Schuhabsatz oder das Herunterspülen in der Toilette.

Wichtig zu wissen

Ein rasches Entfernen der Zecke schützt hauptsächlich vor Borreliose - nicht vor FSME. Das liegt daran, dass FSME-Viren bereits kurz nach dem Stich aus dem Speichel der Zecke übertragen werden, Borrelien dagegen erst nach ein bis zwei Tagen aus dem Darm des Tiers.

Der beste Schutz ist die Vermeidung von Zeckenstichen, ein rasches Entfernen von Zecken sowie eine Schutzimpfung gegen FSME.

Helle, körperbedeckende Kleidung, zeckenabweisende Mittel und gründliches Absuchen des Körpers nach jedem Aufenthalt im Freien helfen zusätzlich.

ZEMEKI – Zeckenforschung zum Mitmachen

Ein spannendes Citizen-Science-Projekt des Robert Koch-Instituts lädt Interessierte aller Altersgruppen ein, Fotos von Zecken oder Mücken per QR-Code, über Observation.org oder die ObsIdentify-App hochzuladen. Die Bilder werden per KI ausgewertet und fließen in eine wissenschaftliche Datenbank ein. So sollen Veränderungen im Lebensraum der Tiere besser erkannt und Risiken genauer bewertet werden. Mehr Infos gibt es unter www.rki.de/zemeki.