Vier Projekte sichern sich das vorerst letzte Geld der LAG Pfaffenhofen

22. Mai 2026: Mit der Vergabe der vorerst letzten verfügbaren Fördermittel ist bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Landkreis Pfaffenhofen ein wichtiger Meilenstein erreicht.

In der jüngsten Mitgliederversammlung mit anschließender Lenkungskreissitzung wurde deutlich: Das europäische Förderprogramm LEADER stößt im Landkreis auf enorme Resonanz. Zahlreiche Projekte, engagierte Kommunen und Vereine sowie die Menschen vor Ort sorgen dafür, dass das verfügbare Budget von insgesamt 1,83 Millionen Euro noch vor Ablauf der Förderfrist am 31. Januar 2027 vollständig ausgeschöpft wurde.

Stellvertretend für den verhinderten Landrat Albert Gürtner eröffnete Bürgermeister Wolfgang Hagl die erste Mitgliederversammlung des Jahres 2026. Besonders begrüßte er die neu gewählten Bürgermeister Johannes Baumeister aus Scheyern und Simon Zimmermann aus Wolnzach und Herrn Gaigl, den zukünftigen Abteilungsleiter der Land- und Dorfentwicklung vom Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern, der neu seinen Posten im Fachbeirat antrat.

Dass es derzeit bei LEADER sehr gut läuft, untermauerte die LAG-Managerin Tina Schuler bei ihrer Präsentation mit eindrucksvollen Bildern und Zahlen. So konnten bisher in der aktuellen Förderperiode 32 Projekte und Maßnahmen vom Lenkungskreis beschlossen werden, 4 weitere Projekte kamen im anschließenden Lenkungskreis noch dazu. Sie stellte außerdem den Finanzbericht 2025 sowie den Haushaltsplan 2026 vor und berichtete über die Öffentlichkeitsarbeit der LAG sowie eine geplante bayernweite LEADER-Kampagne, bei dem sich die LAG mit einem Gruppenfoto beteiligen wird.

Danach stand ein besonderer Impulsvortrag auf dem Programm. Franziska Ehrensperger, Inklusionsbeauftragte der Gemeinde Gerolsbach, sprach eindrucksvoll über gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion. Sie begann ihren Vortrag bewusst auf Japanisch, um den Zuhörern das Gefühl von Ausgrenzung und fehlender Verständigung spürbar näher zu bringen. Aus eigener Erfahrung berichtete sie über die Herausforderungen von Menschen mit Behinderung und ihren Familien. „Wenn man nicht mitmachen darf – egal mit oder ohne Einschränkungen - macht das einsam“, so Ehrensperger.

Im anschließenden Lenkungskreis stellten sich sechs Projekte vor, von denen sich vier nach einem Punkterankingsystem die aktuell noch verfügbaren Fördermittel sichern konnten.

Die erste Schützenmeisterin der Schlossschützen Rohrbach Sigrid Kersten und Jugendmeisterin Joline Klang berichteten von dem geplanten Neubau ihres Schützenheims in Rohrbach. Das bisherige Vereinsheim muss nach einem massiven Hochwasserschaden am darunterliegenden TSV-Heim abgerissen werden. Geplant ist nun ein moderner barrierefreier Neubau mit einem digitalen Schießstand, einer Umkleide und einem Waffenraum.

Ein weiteres traditionsreiches Projekt stellte der Obst- und Gartenbauverein Geisenfeld vor. Der Verein plant den Neubau einer Halle für die Obstpresse Geisenfeld. Vorsitzender Werner Weiß und sein Stellvertreter Tobias Schwegler erklärten, dass die bisherige Anlage jahrzehntelang von einer Familie auf privatem Gelände betrieben wurde. Da diese den Betrieb altersbedingt einstellt, will der Verein die Obstpresse nun auf eigenem Gelände selbst weiterführen. Für den rund 450 Mitglieder starken Verein ist das Projekt weit mehr als eine technische Investition. Die Obstpresse gilt seit Jahrzehnten als wichtiger Bestandteil regionaler Nachhaltigkeit und Selbstversorgung. Außerhalb der Erntezeit möchte der Verein die Halle verstärkt für Jugendarbeit und Bildungsangebote nutzen.

Besonders innovativ präsentierte sich das Projekt „Stadtoasen – Biodiversitätsanker im Quartier“ des Vereins WoGeNo Stadtoasen. Markus Käser, Rita Obereisenbuchner, Nadine Mäntyranta und Naturgartenplaner David Seifert stellten ein Modellprojekt vor, das Natur und Wohnraum enger miteinander verbinden soll. Zunächst wird ein modularer Naturgarten bei einem neuen Genossenschaftsgebäude in Pfaffenhofen entstehen. Ziel ist es, Artenvielfalt und Klimaanpassung direkt in den besiedelten Raum zu integrieren. Heimische Pflanzen, sogenannte Klimabäume, Teiche, Totholzbereiche sowie Sandflächen für Wildbienen und Eidechsen sollen verschiedene Lebensräume schaffen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Nachhaltigkeit: Nach der Anwachsphase soll der Garten ohne zusätzliche Bewässerung auskommen. Regenwasser wird über Sickergruben und Teiche direkt auf dem Grundstück zurückgehalten. Der Garten soll öffentlich zugänglich sein und zum Mitmachen anregen. Geplant sind außerdem Workshops sowie ein frei verfügbarer Online-Leitfaden zur Erstellung eines modularen Naturgartens.

Auf einer rund 1500 Quadratmeter großen Fläche nahe Pichl soll nach den Wünschen von Projektinitiator Florian Distl und Martin Steinlechner vom Markt Manching der frei zugängliche „Dirtpark Manching“ mit mehreren Strecken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade entstehen. Besonders wichtig ist den Initiatoren dabei die Beteiligung der Jugendlichen selbst. Nach dem Bau durch eine Fachfirma sollen diese beim sogenannten „Fine Shape“ sowie bei der späteren Pflege und Instandhaltung mitwirken. Hierfür sind sogar spezielle Workshops zum Trailbau geplant.

Nicht berücksichtigt werden konnten mangels Budgets dagegen das Kooperationsprojekt „Wasserverfügbarkeit in der Landwirtschaft in der Region 10“ sowie der geplante „Multisport-Court Pörnbach“. Für das Kooperationsprojekt strebt die LAG laut LAG-Managerin Tina Schuler eine inhaltliche Beteiligung an, Pörnbach hat die Möglichkeit im Falle zusätzlicher Mittel im Frühjahr 2027 erneut einzureichen.

Zum Abschluss zeigte sich der stellv. LAG-Vorsitzende Wolfgang Hagl beeindruckt von der Vielfalt und Qualität der eingereichten Ideen. „Es ist begeisternd zu sehen, wie viele gute Projekte im Landkreis entstehen und mit Hilfe der LAG umgesetzt werden können“, betonte er und dankte allen Ehrenamtlichen, Projektträgern und Unterstützern für ihr großes Engagement bei LEADER.