Gerechtigkeit
Die Klimakrise ist insbesondere eine Krise der Gerechtigkeit. Zum einen sind verschiedene Länder und Regionen der Welt als auch verschiedene Bevölkerungsgruppen innerhalb der jeweiligen Bevölkerungen (z. B. arme, alte oder kranke Menschen) unterschiedlich verwundbar gegenüber den Folgen der Klimakrise, zum anderen sind die Möglichkeiten, sich an den Klimawandel anpassen zu können, für viele Menschen begrenzt. Zudem tragen genau die Länder und gesellschaftlichen Gruppen, die die Klimakrise am deutlichsten spüren, am wenigsten zu ihr bei – andersherum: Die Hauptverursacher der Klimakrise werden von den Folgen meist weniger betroffen und haben zudem Mittel, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Historisch betrachtet sind die Industrieländer des Nordens die größten Verursacher der Klimakrise und besitzen die meisten Ressourcen, um sich gegen die Klimakrise abzusichern.
Klimagerechtigkeit benennt die große gemeinsame Verantwortung, die wir für den Klimaschutz haben – und die besondere Verantwortung der Verursacher, entstandene Schäden wiedergutzumachen und neue Schäden zu verhindern. Klimaschutz heißt dabei, dass jedes Land vor der eigenen Haustür Maßnahmen zum Kampf gegen die Klimakrise ergreift. Das bedeutet auch, dass sich alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen müssen. Dies gilt unter anderem auch bei der Erzeugung erneuerbarer Energien, die wir alle brauchen und nutzen – nicht irgendwo anders in Norddeutschland oder in Afrika, sondern auch direkt vor unserer Haustür.
Der Begriff "Generationengerechtigkeit" beschreibt die Gerechtigkeit der Verteilung von materiellen Ressourcen, Lebenschancen und Lebensqualität unter den Generationen. Das impliziert, dass jede Generation so verantwortungsvoll leben soll, dass sie nachfolgenden Generationen keine unzumutbaren Lasten, z. B. in Form von Schulden oder Umweltschäden, aufbürdet.
Im Umweltkontext schließt Generationengerechtigkeit die Weitergabe eines fairen ökologischen Erbes in Form einer intakten Umwelt an zukünftige Generationen ein: Der Erhalt der Artenvielfalt, ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Lösung der atomaren Endlagerungsproblematik, eine Reduzierung der Treibhausgase und das Eindämmen des Klimawandels.
Die erhöhte Verwundbarkeit gegenüber negativen Folgen des Klimawandels betrifft nicht nur arme Länder im globalen Süden, sondern auch arme und kranke Menschen in reichen Ländern. Menschen mit geringem Einkommen leiden oft am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit werden durch den Klimawandel noch weiter verstärkt.
Ärmere Bevölkerungsgruppen sind oft stärker von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren betroffen, da sie in gefährdeten Gebieten leben und weniger Ressourcen haben, um sich angemessen zu schützen.
Oft wird argumentiert, dass Deutschland mit 1,6 % Anteil an den globalen CO2-Emissionen (Stand 2023) nur mit einem geringen Maß für den Klimawandel verantwortlich sei und daher auch unsere Klimaschutzbemühungen keine große Rolle spielen würden.
Um die Frage zu beantworten, ob wir etwas gegen den Klimawandel unternehmen sollten, müssen unterschiedliche Faktoren herangezogen werden, insbesondere:
- die Verantwortung für den Klimawandel, messbar über
- aktuelle Treibhausgasemissionen
- kumulierte Treibhausgasemissionen, welche die historische Verantwortung für den Klimawandel nachzeichnen,
- aktuelle Pro-Kopf-Emissionen,
- die wirtschaftlichen, finanziellen, technologischen und institutionellen Fähigkeiten zum Klimaschutz,
- den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und
- das noch zur Verfügung stehende Kohlenstoffbudget, also die Gesamtmenge an Treibhausgas- Emissionen, die noch ausgestoßen werden darf, bevor ein anvisiertes Temperaturlimit überschritten wird.
Bevölkerungsmäßig stellt Deutschland 1% der Weltbevölkerung, ist aber aktuell für 1,6 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Historisch gesehen hat Deutschland sogar einen Anteil von 5,5 % an den globalen CO2-Emissionen. In der EU ist Deutschland der größte CO2-Emittent.
Jeder Bürger ist aktuell für 7,1 t CO2- Emissionen verantwortlich, werden Export und Import von Gütern mitbetrachtet für 10,3 t CO2-Äquivalente und liegt damit 60 % über dem Weltdurchschnitt. Wenn wir das globale Budget betrachten, dass jedem Erdenbürger zustünde, wenn wir das 1,5 °C Ziel erreichen wollen, müssen wir laut Umweltbundesamt unsere CO2-Emissionen auf unter 1 t pro Kopf und Jahr senken.
- Bundeszentrale für politische Bildung, Jenny Kurwan, Dossier Klimagerechtigkeit, 2023
- Our World in Data, Cumulative CO2 emissions by world region
- Our World in Data, Hannah Ritchie, Max Roser, and Pablo Rosado, CO₂ and Greenhouse Gas Emissions, 2020
- Our World in Data, Germany: CO2 Country Profile
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dem Klimawandel begegnen, 2022
- Worldometer, Bevölkerung Deutschlands
- Umweltbundesamt, Wie hoch sind die Treibhausgasemissionen pro Person in Deutschland und wie viel wäre klimaverträglich?, 2025