Klimaschutzleistung

Erneuerbare Energien als Ersatz für fossile Energieträger vollenden den Energie-3-Sprung: Je weniger Energie wir verbrauchen und je effizienter wir sie nutzen, desto leichter wird es, den verbleibenden Energiebedarf mit erneuerbaren Energien zu decken.

Im Jahr 2024 wurden allein durch Windenergie 105,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente in Deutschland eingespart. Um den Wert einzuordnen: Das ist mehr als die gesamten Emissionen Belgiens.

Vor allem bedingt durch die geforderten Abstände zu Wohnbebauung befinden sich die Vorranggebiete für Windkraft im Landkreis Pfaffenhofen in Waldgebieten. Da Wald als Kohlenstoffspeicher und -senke eine bedeutende Rolle im natürlichen Klimaschutz spielt, entsteht hier ein Spannungsfeld zwischen technischem und natürlichem Klimaschutz. Der Wald erbringt zudem weitere Ökosystemleistungen, wie die Regulierung der Luftqualität und des Wasserhaushalts.

Betrachtet man die Klimaschutzleistung rein bezogen auf die Speicherung oder Einsparung von CO2, ist diese für Windenergieanlagen bereits im ersten Jahr der Inbetriebnahme trotz der nötigen Rodung um den Faktor 4 höher, über die gesamte Betriebsdauer sogar 260 bis 1000 -fach höher als die des Waldes. Dabei bleibt zu bedenken, dass der Wald zusätzlich zu dieser Definition der Klimaschutzleistung über die Speicherung von CO2 noch zahlreiche weitere Ökosystemleistungen erbringt, wie z.B. als Lebensraum, für den Nährstoffkreislauf und unser Trinkwasser. Mit dem fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien und den damit einhergehenden sinkenden CO2-Emissionen des Bundesstrommixes verringert sich die Klimaschutzleistung von Windenergieanlagen entsprechend in Zukunft.

Bei Anlagen erneuerbarer Energien wird bei der Klimaschutzleistung berechnet, wieviel CO2 - Äquivalente durch den Ersatz des bundesdeutschen Strommixes (2023: 449 g CO2-Äquivalente je Kilowattstunde) auf einem Hektar vermieden werden. Dabei werden die CO2-Emissionen des erneuerbaren Stroms aus der Ökobilanz (10,6 g CO2- Äquivalente je Kilowattstunde) berücksichtigt. In einem Schwachwindgebiet ist pro Windenergieanlage mit einem Ertrag von ca. 7 Mio. Kilowattstunden jährlich zu rechnen. Das ergibt laut Ökobilanz eine jährliche Emission von 74 t CO2-Äquivalenten, wohingegen durch das Ersetzen des Strommixes 3143 t CO2-Äquivalente jährlich vermieden werden. Zusammen ergeben sich also 3069 t CO2-Äquivalente, die durch die Windenergieanlage jährlich eingespart werden. Für eine Windenergieanlage im Wald werden in Bayern durchschnittlich 0,34 Hektar Fläche für den Betrieb benötigt und weitere 0,54 Hektar kurzfristig für den Anlagenbau. Diese Flächen sind zwar in gleichem Umfang an anderer Stelle im oder am Forst aufzuforsten, zusammengenommen beträgt die zu rodende Fläche pro Windenergieanlage aber 0,88 Hektar.

Die flächenbezogene Klimaschutzleistung einer Windenergieanlage im Schwachwindgebiet liegt also vereinfacht bei 3488 t CO2-Äquivalenten pro Hektar und Jahr.

In einem Hektar Wald sind laut Bundeswaldinventur 730 t CO2 (197 t Kohlenstoff) in Holz und Boden gespeichert. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und Forsten (LWF) gibt für Bayern 477 t CO2 pro Hektar an, die in der lebenden Biomasse des Waldes gespeichert sind. Bis in eine Tiefe von 1,5 m sind 128 t C, also 470 t CO2 pro Hektar gespeichert. Weitere 8 t CO2 sind in Totholz gespeichert.  Dies ergibt zusammen einen Kohlenstoffspeicher von 955 t CO2 pro Hektar Wald in Bayern. Die Werte variieren im Vergleich zur Bundeswaldinventur, da die CO2 Speicherung von vielen Faktoren abhängig ist, wie der Artenzusammensetzung und dem Alter der Bäume. Die durchschnittliche jährliche CO2-Speicherung wird von der LWF mit 3,3 t CO2 pro Hektar angegeben, andere Quellen gehen von 5,4 bis 13 t gespeichertem CO2 pro Hektar und Jahr aus.

Da das CO2, das in Bäumen gebunden ist, später beim biologischen Zerfall oder nach einer Nutzung irgendwann wieder freigesetzt wird, wird bei der Klimaleistung von Wäldern allerdings nur das CO2 betrachtet, das jährlich durch das Wachstum gebunden wird.

Die Klimaschutzleistung von einem Hektar Wald liegt jährlich also zwischen 3,3 und 13 t CO2. Für die Errichtung einer Windenergieanlage wird durch die Rodung von 0,88 Hektar einmalig der Speicher von 840 t CO2 entfernt, der an anderer Stelle allerdings wieder aufgeforstet wird.

Laut EnergieMonitor des Landkreises Pfaffenhofen wurden 2024 mehr als 61.567.180 Kilowattstunden Strom durch Windkraft erzeugt. In der Ökobilanz entspricht diese Menge Strom aus Windenergie bei 10,6 g CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde Emissionen von 653 t CO2-Äquivalenten. Die gleiche Menge Strom aus dem deutschen Bundesstrommix (2023) mit 449 g CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde hätte Emissionen in Höhe von 27.644 t ergeben. Somit wurden knapp 27.000 t CO2-Äquivalente durch Windenergie im Landkreis Pfaffenhofen eingespart.

Klimaschutzleistung Windpark Gerolsbach

Im Bürgerwindpark Gerolsbach produzieren die drei Anlagen jährlich ca. 17 Mio. Kilowattstunden Strom. Wegen der Ökobilanz von Strom aus Windenergieanlagen mit 10,6 g CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde entstehen so 181 t CO2 Äquivalente im Jahr. Dagegen werden durch den Ersatz des bundesdeutschen Strommixes (449 g CO2-Äquivalente je Kilowattstunde Strom) durch den erneuerbaren Strom 7660 t CO2-Äquivalente vermieden, also insgesamt 7.479 t CO2-Äquivalente eingespart. Für den Windpark wurden insgesamt 1,3 Hektar gerodet und wieder aufgeforstet. Die Klimaschutzleistung des Windparks beläuft sich also auf eine jährliche CO2 -Vermeidung von 5753 t CO2 -Äquivalente pro Hektar und Jahr.

Klimaschutzbilanz Bürgerwindrad Lustholz

Das Pfaffenhofener Bürgerwindrad im Lustholz produziert jährlich ca. 7,1 Mio. Kilowattstunden Strom. Wegen der Ökobilanz von Strom aus Windenergieanlagen mit 10,6 g CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde entstehen so 75 t CO2-Äquivalente im Jahr. Dagegen werden durch den Ersatz des bundesdeutschen Strommixes (449 g CO2-Äquivalente je Kilowattstunde Strom) durch den erneuerbaren Strom 3.176 t CO2-Äquivalente vermieden, also gesamt betrachtet 3.101 t CO2-Äquivalente. Für das Windrad wurden 0,5 Hektar gerodet und wieder aufgeforstet. Die Klimaschutzbilanz beläuft sich also auf eine jährliche CO2 -Vermeidung von 5.595 t CO2 -Äquivalente pro Hektar und Jahr.